Hans Huwer stellt in einem Werkverzeichnis getröpfelte Arbeiten der letzten 14 Jahre vor

Gibt es so etwas wie einen gesteuerten Zufall? Wenn ja, dann ist Hans Huwer ein Meister darin. Neben zarten Kreide- und großformatigen Tuschezeichnungen arbeitet der Künstler seit 2004 an einem Werkkomplex mit getropften Farbflüssigkeiten auf Papier. In einem Werkverzeichnis katalogisiert Huwer jetzt diese Arbeiten.

Hans Huwer, Jahrgang 1953, ist seit 35 Jahren als freischaffender Künstler tätig. Nach einer Buchdruckerlehre wechselte er an die Fachhochschule Design Saarbrücken und ließ sich von Oskar Holweck 1972/73 in der Grundlehre ausbilden. Der Lehrer beeinflusste Huwer nachhaltig. Anschließend machte er ein dreijähriges Graphikstudium bei Robert Sessler. Heute lebt und arbeitet Huwer in Spiesen.

Ausgangsmaterial für Huwers Arbeiten ist weißer Karton, in den der Künstler mit dem Federmesser ein Raster aus orthogonalen Linien eintieft. Schnitttiefe und -breite weichen minimal voneinander ab und tragen zum vielgestaltigen Aussehen bei. Es entstehen Randfärbungen und die Farbe dringt unterschiedlich tief in den Karton ein. 

In den meist 40 mal 30 cm großen Tuschebildern mit neun quadratischen Farbfeldern betragen die Abstände der Linien exakt 8 mm. Anschließend grundiert Huber die Felde mit Bindemittel und tropft dann mit der Pipette Farbflüssigkeiten und Pigmente nach einem vorher festgelegten Gestaltungsplan auf die entstandenen Quadrate. Es kann bei einem einmaligen Auftropfen bleiben, es können aber auch mehrere Durchgänge folgen. Größere Arbeiten entstehen oft in mehreren Monaten und können aus vielen Tausend Tropfpunkten bestehen.

Setzt Huwer die Farben auf, reagieren sie miteinander und setzen den begonnen künstlerischen Prozess eigenständig fort. Nach dem Tropfen verändert sich das Bild in einem langsamen Trocknungsprozess konsequent. Es ist nie vorherzusagen, was schließlich zu sehen ist. Selbst bei gleichen Bedingungen variiert das Endergebnis minimal.

Der Malakt lässt sich also nur begrenzt beeinflussen. Die Größe der Rechtecke ist vom Künstler festgelegt. Bestimmen kann er außerdem Malgrundlage, Menge und Art der Farben und die Trocknungsintervalle. Nie sind zwei Vorgänge vom Auftropfen bis zum finalen Trocknen gleich und die so entstandenen Formen variieren von geometrischen Grundformen bis zu freien Mustern wie Klecksen, Strahlen, Schlieren, Gespinsten und rauchigen Farbnebeln.

Das serielle Arbeiten ist wesentlicher Faktor des Werkes. Die kryptischen Bildtitel aus Buchstaben und Ziffern verweisen auf Jahr, Monat und Reihenfolge der Entstehung und lassen so genau Rückschlüsse auf die Werkgenese zu. Der Künstler probiert in Testreihen auf kleinen Täfelchen bis zu 50 Mal aus, bevor er ein Modell als „bildwürdig“ betrachtet und im größeren Format ausführt. Diese qualitative Auswahl ist ein wesentlicher künstlerischer Schritt. Im gerade erschienenen Werkverzeichnis „Kosmos. Band 1“ der Jahre 2004 bis 2017 bietet der Künstler nun einen Überblick über diesen Werkserie. Der Titel ist gut gewählt. Huwers Arbeiten tragen einen ganzen Kosmos in sich mit unzähligen Farben und Formen. Der von Petra Wilhelmy kurzweilig geschriebene Essay und die begleitenden Fotos beschreiben Huwers Arbeit im Detail und gewähren Einblick in das Schaffen des Malers.

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