Höchst selten tue ich etwas, was ich sonst eben nicht tue: Ich komme der Bitte nach, eine Ausstellung zu empfehlen. Ich tue das nur dann, wenn ich auf die Ausstellung auch ohne die Bitte hingewiesen hätte und seit es diesen Blog gibt, ist das erst ein Mal passiert. Jetzt muss ich das aber wieder tun. Ich habe bereits im April auf Sabine Wilds tolle Fotografien von urbaner Architektur hingewiesen (Aufrisse).

Nun ist Wild durch NRW gestreift und hat sich des Themas Architektur und Freizeit angenommen. Fotografiert hat sie Architekturobjekte, die im weitesten Sinne mit Freizeitgestaltung zu tun haben, darunter der Movie Park in Bottrop, die Zeche Zollverein in Essen, die Museuminsel Hombroich bei Neuss oder der Landschaftspark Nord in Duisburg, ein ehemaliges Hüttenwerk.

Wieder hat Sabine Wild die Bilder in der ihr typischen Art nachbearbeitet. Die Architekturlandschaften sind entvölkert, Menschen sucht man vergebens. Senkrechte und waagerechte Strukturen treten hervor, Farbflächen vibrieren vor dem Auge des Betrachters, surren und flirren. Manche Bilder wirken, als ob die vertikalen und senkrechten Linien aufgemalt worden wären und die Farben darin verlaufen.

So klar die Strukturen auch in der Realität waren, so komplex und verwinkelt, Wild entschärft sie, ohne dass die Strukturen verloren gehen. Das klingt paradox, es ist aber genau das, was ihre Fotografien ausmacht und was sie so interessant und unvergleichlich spannend macht. Sie seziert, legt es vor dem Betrachter frei und betont es so. Grenzen werden aufgehoben, Farbe und Textur werden bildbestimmend, ein Rhythmus wird erfahrbar, ja geradezu erlebbar.

Die Ausstellung wird am 19. August 2008 eröffnet und ist bis zum 2. Oktober 2008 im Haus der Architekten (Zollhof 1, 40221 Düsseldorf) zu sehen. Ich verspreche, dass sich ein Besuch lohnt!