Henning Brandis (*1944) ist einer der Künstler, die ich alleine schon deshalb mag, weil sie unglaublich wandlungsfähig sind, ihr Werk geprägt ist von vielschichtigen Experimenten und voller Lebensweisheit. Künstler wie Brandis probieren unheimlich viel aus, saugen Techniken und Stile auf und probieren sich daran aus, nehmen neue Impulse sofort auf und schauen sich in der Welt um, nach allem was interessant sein könnte. Jetzt zeigt die Villa Oppenheim in Berlin eine Ausstellung mit Werken des Beuys-Meisterschülers.

Brandis wurde 1944 in Göttingen geboren. In den Sechzigern arbeitete er mit Farblithografien, bastelte aus Reproresten und Abfall Collagen, experimentierte mit der Fotografie und begann ein Kunststudium. In Düsseldorf wurde er Schüler von Dieter Roth, wechselte aber, nachdem er Joseph Beuys kennenlernt hat, in dessen Klasse und wird sogar Meisterschüler. Er entdeckte die Fluxus-Kunst für sich und startete erste Aktionen. Bis heute malt, zeichnet, fotografiert, installiert und veranstaltet Aktionen und Performances.

Seine Kunst ist immer wieder geprägt von biographischen Notizen und Anklängen ohne dabei ihre Allgemeingültigkeit für die elementaren Dinge des Lebens zu verlieren. Brandis begibt sich mehrere Jahre auf Wanderschaft und verweilt in Klöstern, viele seiner Arbeiten nehmen asiatische und afrikanische Darstellungsformen auf. Es entstehen vielschichtige, expermientelle Arbeiten, die in dieser Dichte selten sind.

In seinen nun vorgestellten Arbeiten geht Henning Brandis dem von Astrophysikern diskutierten Phänomen der „Dunklen Energie“ ­ nach, der Ursache für das sich kontinuierlich ausdehnende Universum.

Die vier Räume der Villa Oppenheim gliedern sich nach verschiedenen Schwerpunkten: In einem abgedunkelten Raum werden auf einem großflächigen dunklen Quader Arbeiten präsentiert, ein Rekurs auf den Titel der Ausstellung. Fiktive Briefe mit biografischen Anhaltspunkten und Relikte aus Brandis‘ „Kunstkammer“ mit Frühwerken aus den Jahren 1978 bis 1992 erwarten die Besucher in den anderen Räumen. Brandis‘ Universum ist wirklich sehenswert, genauso wie seine Internetseite! Der Besuch wird sich lohnen.