Ich habe vor einigen Wochen eine neue Galerie entdeckt, die ich bisher noch nicht auf meinem Radarschirm hatte. Vielleicht liegt es daran, dass mir Galerien suspekt sind, die nicht den Namen der Inhaber tragen sondern so wahnsinnig fantasievolle Namen wie Kunstraum, raum 08/15, schicke englische Termini oder irgendwelche kryptischen Zahlenkürzel. Ich muss vorurteilsfreier werden, denn die Galerie Lichtpunkt ist ein kleines Schmankerl und ein wahrer Lichtpunkt in der bayrischen Hauptstadt.

Für mich war die Galerie eine Entdeckung in den letzten Wochen und ich kann nur jedem nahelegen, die Galerie bei einem Münchenbesuch unbedingt zu besuchen. Das Portfolio der Galerie ist ausgezeichnet und die Ausstellungen der letzten Jahre fast alle wirklich hochkarätig. Galerist Horst Ambacher präsentiert vor allem zeitgenössische Kunst im Bereich der figurativen Malerei, aber auch Fotografie und Installationen sind in der Galerie zu finden. Besonders interessant waren die letzten beiden Ausstellungen.

Daniel Schüßler, »Dynastie Discordia«, 2007, Collage/Acryl auf Leinwand, 120 x 150 cm.

Daniel Schüßler, „Dynastie Discordia“, 2007
Collage/Acryl auf Leinwand, 120 x 150 cm
© Galerie

Gerade vorbei ist die Ausstellung des Künstlers Daniel Schüßler, der in seinen Gemälden der Frage nach geht, wie wir zukünftig leben wollen – oder können – oder müssen. Spannend ist vor allem die Verknüpfung aus gemaltem Bildraum und fotografischen und digitalen Elementen, die Reales und Fiktion verschwimmen lässt. Er malt meist menschenleere Landschaften in denen Behausungen stehen. Außerdem arbeitet Schüßler auch mit Installationen. Zu fast jeder Leinwandarbeit fertigt er ein Modell, das sich als Collagebestandteil in der Leinwandarbeit wiederfindet.Vom Pappkarton über amerikanische Holzhäuser bis zum „Hubhaus“ ist alles dabei. Diese urbanen Landschaften wirken kalt, abweisend und unfertig, als sei alles im Wiederaufbau nach einem nuklearen Katastrophe. Manchmal wirken die Häuser, als seien sie aus Ruinen entstanden und mit gefundenem Baumaterial ergänzt. Schüßler nennt das postdestruktive Kreativität.

Bis zum 07. März 2008 präsentiert die Galerie in der Lothstraße die Ausstellung „Rebelion“ mit Gemälden und Zeichnungen des spanischen Malers Antonio Santin. Auch Santin malt gegenständlich. Zu seinen Hauptwerkgruppen zählen die Porträts von jungen Männern und Frauen. Während die männlichen Portäts vor Selbstbewußtsein und Männlichkeit strotzen, wirken die Frauen, seltsam entrückt und vergeistigt. Die Männer sind meist mit kräftigem Pinselstrich in kräftigen wuchtig auf der Leinwand verewigt, oftmals mit einem Farbnetz überzogen. Die zarten Frauengesichter hingegen hat Santin mit feinem Pinselstrich in fast fotorealistischem Duktus gemalt. Mit leeren Augen blicken sie dem Betrachter entgegen.

Antonio Santin, Atelier in Barcelona mit dem Bild, Titel: »Naturaleza muerta V«, 2007,

Antonio Santin, Atelier in Barcelona mit dem Bild, Titel: „Naturaleza muerta V“, 2007,
© courtesy GALERIE LICHTPUNKT

Für die Serie „Naturaleza muerta“ hat sich Santin im Schlachthaus umgeschaut. Er arrangiert hängende Tierhälften, Stilleben von Fleischstücken und zeigt uns Schweineköpfe im Portrait. Der Titel dieser Serie verweist ebenso treffend wie doppelsinnig auf den Inhalt der Bilder.

Was macht die Bilder so interessant? Santin malt realistisch, er bildet ab, wertet aber nicht und trotzdem wird dem Betrachter sofort klar, worauf Santin hinaus will. Eben noch haben die Tiere gelebt, jetzt sind sie tot und von nun an sind sie Vergänglichkeit und Verwesung ausgesetzt. Das ist auch Malen gegen die Zeit. Dieser Vergänglichkeit entkommen Santins Objekte durch Spiritualisierung, sie werden zu verehrten Objekten stilisiert und schlagen dem Tod ein Schnippchen. Die Bilder offenbaren, wie vergänglich und endgültig das Leben doch ist. Santins Bilder sind ein Erlebnis!

Weitere hochklassige KünstlerInnen der Galerie sind Rayk Goetze, Goerg Hornung, Mathias Perlet, Tina Winkhaus und Bertram Kober.