Die Künstlergruppe „Die Scholle“ war lange aus dem kollektiven Gedächtnis der Kunstwelt verschwunden. Jetzt zeigt das Museum Georg Schäger in Schweinfurt bis 01. Juni 2008 „DIE SCHOLLE. Eine Künstlergruppe zwischen Sezession und Blauer Reiter“ mit Werken aus der Sammlung Unterberger.

Leo Putz, Sommerträume (Morgensonne), 1907,

Leo Putz, Sommerträume (Morgensonne), 1907
Öl auf Leinwand, Sammlung Siegfried Unterberger
© VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Der Name der Müncher Künstlervereinigung ist eher mißverständlich, denn es ging den Künstlern nicht so sehr um die heimatliche Scholle. Um das klarzustellen, liess man verlautbaren: Die Scholle habe „kein anderes gemeinsames Ziel, keine andere Marschroute, als dass jeder seine eigene „Scholle“ bebaue, die freilich auf keiner Landkarte zu finden ist.“ Den 12 Künstlern gemeinsam war wohl nur ein ungezwungener und farbenfroher Stil mit einem Hang zur subjektiven Naturdarstellung, der am ehesten dem Impressionismus nahe stand. Thematisch voneinander unabhängig, verfolgten die „Scholle“-Maler die Vorstellung, Kunst, Natur und Leben im Sinne der reformbewegten Atmosphäre und des Naturlyrismus miteinander zu vereinen.

Die Scholle entstand im November 1899 im wesentlich aus Mitgliedern der Münchner Sezession, welche überwiegend an der Akademie der bildenden Künste München in der Malklasse von Professor Paul Hoecker zusammenkamen. Viele Mitglieder waren zuvor in der Gruppe G zusammengeschlossen. Die Mitglieder der Scholle wollten ihre Werke vor allem ohne das Kunstdiktat des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach ausstellen.

Die Bedeutung der Scholle-Künstler darf nicht unterschätzt werden. In ihrer Forderung nach einer jungen und individuellen Kunst leitete die Scholle eine Entwicklung ein, welche in den erwähnten Künstlergruppen Brücke und Blauer Reiter seine Fortsetzung fand. Außerdem arbeiteten alle Mitglieder der Gruppe an der Zeitschrift die „Jugend“ mit, welche dem Jugendstil seinen Namen gab. Nachdem sich die meisten Mitglieder im Kunstbetrieb etabliert hatten, löste sich die Scholle im Jahre 1911 auf. Zu den wichtigsten Mitgliedern gehörten Gustav Bechler, Reinhold Max Eichler, Fritz Erler, Adolf Höfer, Adolf Münzer, Leo Putz und Franz Wilhelm Voigt und Robert Weise.

Mehr Informationen auf den Webseiten des Museums Goerg Schäfer. Wer sich für die Künstlergruppe interessiert, sollte auf jeden Fall zu dem opulenten Katalog greifen, der sich als Standardwerk etablieren dürfte.