Die Kestnergesellschaft in Hannover bietet noch bis 03. Februar 2008 gleich zwei interessante Ausstellungen. Das Ausstellungsinstitut präsentiert 13 Skulpturen und die dazugehörigen großformatigen Gouachen des amerikanischen Künstlers Eric Fischl. Der amerikanische Maler und Vertreter des „amerikanischen Realismus“ Fischl (*1948 in New York City) hat sich intensiv mit dem menschlichen Körper beschäftigt.

Eric Fischl, Ten Breaths: Congress of Wits  2007
Eric Fischl, Ten Breaths: Congress of Wits 2007
Harzguss, mit gemalter Eisenpatina, 220 x 310 x 427 cm
Kostüme: Maryjane Marcasiano
Installationsansicht kestnergesellschaft 2007
Foto: Maria do Rosário Neto
Courtesy Jablonka Galerie, Köln – Berlin

Sexualität und Vergänglichkeit, Melancholie und Einsamkeit sind seine Themen, die er in zumeist großformatigen Gemälden bearbeitet. Doch auch die Skulptur gehört zu seinen Elementen. Ihren Schaffensprozess begleitet er durch Zeichnungen und Gouachen. Die Polyester-Harzguss-Skulpturen sind lebensgroße Akte und treten mit den Zeichnungen in einen spannungsvollen Dialog. Die nackten Körper sind ohne Kontext und Verweise und bieten dadurch eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten.

Als Grundlage seiner bildhauerischen Arbeiten dienen Fischl Fotografien. Da ist zum Beispiel die Figurengruppe „Dancers“, die aus Aufnahmen einer brasilianischen Tanzgruppe entstand, die ihn mit ungewöhnlichen Bewegungen und Tanzschritten faszinierte. Sie wurden zum Ausgangspunkt einer längeren Untersuchung, deren Ergebnisse Fischl im Rahmen dieser Ausstellung erstmals und umfassend präsentiert. Im Zentrum der Inszenierung steht die in den USA kontrovers diskutierte Skulptur „Tumbling Woman“, die eine sich im freien Fall befindende Frau darstellt und vom Künstler als Reaktion auf den 11. September 2001 geschaffen wurde.

Spätenstens seit die Französin Bettina Rheims (*1952 in Paris) 1995 das offizielle Präsidentenfoto von Jaques Chriac aufnehmen durfte, ist ihr Name auch Nicht-Kunstinteressierten ein Begriff. Dabei ist dieses Foto sicher keine große kreative Leistung. Das Rheims auch eine große Künstlerin ist, zeigt die Kestnergesellschaft mit 21 Fotografien der Serie „Héroïnes“, in der Bettina Rheims auf großen Formaten international bekannte Frauen porträtiert.

Zu den Porträtierten zählen unter anderen die Schauspielerinnen Milla Jovovich, Eva Ionesco, Béatrice Dalle und Tilda Swinton sowie die Tänzerin und Choreografin Blanca Li, die sie in von Jean Colonna arrangierten Kleidungsstücken in ihrem Atelier vor einer kalt wirkenden Steinkulisse inszeniert.

Bettina Rheims hat sich vor allem durch ihre Frauenporträts einen Namen gemacht. Dabei spiel tsie auch mit Tabus und Themen wie Androgynie, geschlechtliche Identität und Exhibitionismus. Die Bilder verstören oftmals durch ihre Zweideutigkeit, sie hinterfragen Normen. Immer wird in den Aufnahmen die weibliche Identität ausgelotet, ohne die Personen als reine Sexualobjekte festzuhalten.

Die Serie der „Héroïnes“ greift klassische Heldenbilder auf und transferiert diese in unsere Zeit. Rheims arbeitete vor ihrer Karriere als Fotografin zunächst als Mannequin, Schauspielerin und Journalistin. Neben ihren Fotoserien, die ab 1978 entstanden, war sie in den 1980er Jahren als Modefotografin für Magazine tätig. Der künstlerische Durchbruch gelang ihr 1991 mit der Serie „Chambre Close“, die in Anlehnung an die so genannten Maisons Closes, den Freudenhäusern in Frankreich, entstand.

Wer in Hannover ist, kann sich auch im Niedersächsischen Landesmuseum „Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn. Ein Künstlerpaar un 1900“ ansehen oder aber im Sprengelmuseum „Nouveau Realisme. Revolution des Alltäglichen“ anschauen. Die Fahrt nach Hannover lohnt sich also!