So, nun ist es soweit, das Arp-Museum in Remagen-Rolandseck öffnet seine Pforten. Nach dem alten Bahnhof ist nun auch der Neubau von Stararchitekt Richard Meier fertig geworden und die Exponate von Arp (1886-1966) haben nun endlich eine Heimat. Finanziert wird das Museum vom Land Rheinland-Pfalz und dem Verein Stiftung Arp, Träger des Museums ist die Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck.

Eigentlich ein Grund zum Jubeln. Doch das Museum steht seit Jahren in der Kritik. Kunstkritiker und Wissenschaftler wettern heftig gegen die Qualität der Sammlung. Medien wie Spiegel, FAZ, DIE WELT, FAZ und SWR berichteten intensiv über die Sammlung. Bemängelt wird, dass in der Sammlung Stücke sind, die dort eigentlich nicht hingehören. Einige Werke seien posthume Nachgüsse, also erst nach dem Tod des Künstlers entstanden und somit zumindest keine Originale, wenn nicht sogar Fälschungen.

Das Museum bestreitet dies heftig und wehrt sich. Es komme gar nicht darauf an, ob die Stücke nun authorisiert seien oder nicht, wichtig sei nur, dass sie richtig ausgezeichnet seien. Das ist zwar richtig, doch vom Künstler nicht authorisierte Nachgüsse sind keinen Museumsbesuch wert und zeugen nicht eben von hoher Qualität einer Sammlung. Was ist ein Kunstwerk wert, wenn der Künstler nicht mal davon wusste? Vielleicht hatte er sogar etwas gegen einen Nachguss und hat die Auflagenzahl bewusst limitiert, ja die Auflagenhöhe gar zum existenziellen Bestandteil des Werks gemacht.

Inzwischen wurde bekannt, dass vom Land Rheinland-Pfalz angekaufte Werke zwei Mal an den Verkäufer, den Arp-Verein, zurückgegangen sind. Ein Mal sollen Unklarheiten Schuld gewesen sein, ein anderes Mal „Mängel“. Eine Expertenkommission, die den Bestand der 3000 Werke überprüfen sollte, ist bis heute nicht zusammengekommen. Der Arp-Verein bestreitet allerdings, dass eine solche Kommision überhaupt angesetzt gewesen sei.

Zu den intensivsten Kritikern der Sammlung gehörte Dr. Gert Reising, Kurator der Karlsruher Kunsthalle und ausgewiesener Arp-Experte. In Beiträgen für die FAZ setzte er sich intensiv mit der Sammlungspraxis des Museums auseinander. Er bezeichnete große Teile der Sammlung als minderwertig, die wissenschaftliche Arbeit als fragwürdig. Doch irgendwann war mit der Kritik Schluss, die FAZ wollte Reisings kritische Berichte über die Arp-Sammlung nicht mehr drucken.

Das Medienmagazin ZAPP des NDR berichtet nun, dass das Museum und der Verein Druck auf die FAZ ausgeübt hätten, um eine negative Darstellung über die Sammlung zu verhindern. In einem Schreiben aus dem Museum an den rheinland-pfälzischen Kultur-Staatssekretär und Stiftungsratsvorsitzenden Joachim Hoffmann-Göttig wird angemerkt, dass die negative Berichterstattung des freien Autors durch „Intervention beim Feuilleton-Chef“ und „Drohung der Einleitung einstweiligen Rechtsschutzes gestoppt“ werden konnte. 258.216 DM habe der Verein für die „presserechtliche Beratung“ bezahlt. Wurden hier tatsächlich Steuergelder genutzt, um Journalisten mundtot zu machen?

Besonders prekär: das Geld soll an die Rechtsanwaltskanzlei der derzeitigen Generalsekretärin des Arp-Vereins, Maja Stadler-Euler geflossen sein. ZAPP befragte dazu den Staatssekretär, der allerdings abwiegelt und sich ahnungslos gibt. Etwas deutlicher, wenn auch nicht direkter, antwortete die Generalsekretärin. Sie kam ins Stottern, mochte dazu lieber nichts mehr sagen, beendete das Interview hastig und schritt davon. Kurz vor der Ausstrahlung des Beitrags teilte Stadler-Euler dann dem NDR mit, dass sie das Geld nicht nur für diese Sache, sondern auch für andere Rechtsstreitigkeiten erhalten habe.

Bedenklich stimmt mich allerdings auch, dass die FAZ dem Druck tatsächlich nachgegeben hat. Schade!

Mehr zum Thema: NDR-Magazin ZAPP, SWR- neue Vorwürfe gegen Arp-Verein, Generalanzeiger Bonn, DIE WELT – Wo der Schein trügt, Arp Museum

Nachtrag: Inzwischen meldet ddp, dass das zuständige Ministerium die Zahlungen überprüfen will. Das Ergebnis soll am 2. Oktober bekanntgegeben werden. Quelle: Yahoo News.