So, nun war es also soweit, das von Gerhard Richter entworfene Fenster des südlichen Querhaues im Kölner Dom wurde am Wochenende festlich eingeweiht. Ohne Zweifel, es ist etwas Besonderes und Außergewöhnliches entstanden. Aber da, wo moderne Kunst ist, sind Bedenkenträger nicht weit.

Fenster von Gerhard Richter im Kölner Dom

Gerhard Richter, Fenste rim südlichen Querhaus, Kölner Dom, 2007, © Gerhard Richter

Das 106 Quadratmeter große Fenster in Schwindel erregender Höhe im südlichen Querhaus des Doms besteht aus 11200 kleinen Farbquadraten, fast scheint es so, als ob Gott persönlich hinter dem Fenster seinen Monitor aufgehängt und die Welt in tausend Pixel hat zerspringen lassen.

Farblich hat sich Richter von den Farben mittelalterlicher Glasfenster inspirieren lassen. 78 Farbtöne hat er ausgewählt und von einem Zufallsgenerator setzen lassen, lediglich kleine Korrekturen hat er sich dort erlaubt, wo dies aufgrund baulicher Gegebenheiten nötig schien oder um zufällig entstandene Formen zu zerstreuen.

Entstanden ist ein wahres Farbmeer, das sich je nach Lichteinfall und äußeren Lichteinflüssen verändert und das Querhaus in unterschiedliche Farben taucht. Mal betont das Licht die dunklen Blautöne, dann wieder strahlt das Rot und dann funkelt das Licht in den grünen Fragmenten und lässt sie wie Smaragde glitzern. Und zwischendrin lassen die hellen Fenster immer wieder das Tageslicht hindurch – eine Landschaft entsteht vor dem Auge des Betrachters.

Kardinal Meisner ist nicht wirklich glücklich mit dem Fenster. Er hatte sich eher eine figürliche Darstellung von modernen Märtyrern gewünscht. Anderen Kritikern ist das Fenster zu profan und tatsächlich düfte sich die moderne Kunst nur sehr selten mit derart profanem Motiv in eine Kirche gewagt haben- zumindest nicht in eine gotische Kathedrale. Doch ist das Motiv tatsächlich so wenig sakral, wie die Kritiker meinen? Wären ein paar Heiligenbildchen wirklich schöner gewesen? Zum Nachdenken und Reflektieren hätten sie sicher nicht angeregt. Man wäre an ihnen vorbeidefiliert, wie viele das auch bei den anderen Fenstern machen. Lediglich der farbliche Gesamteindruck löst bei vielen ein Staunen aus und erfüllt die sonst dunklen gotischen Häuser mit atmosphärischem Glühen. Ist es also tatsächlich so wichtig, wer oder was zu sehen ist? Verkommt die Bildaussage nicht ohnehin zur Nebensache?

Andächtig verweilt man also vor dem Bild, wenn man den Kölner Dom betritt und durch das Gotteshaus flaniert. Es fällt sofort auf, dass dort, wo sich vorher ein normales Fenster befand, jetzt ein farbiges den Raum erhellt. Aber es ist nicht mehr weißes Licht, das so störend wirkte, es ist ein Farbmeer, ein Lichter- und Farbtanz, der sich abspielt, leuchtende farben, kräftig und klar. Es ist fast so, als wollte Richter sagen, schaut her, wie schön die Schöpfung ist und wie herrliche die Welt sein kann mit all ihren Farben, ihren Facetten und tausend Wirklichkeiten. Das Erstaunliche ist jedoch, dass man den Eindruck hat, das Fenster sei schon seit Jahrhunderten dort.

Übrigens: Brüllend komisch ist Werner Spiess‘ Essay in der FAZ zu dem Fenster. Auch wenn ich die Arbeit von Spiess sehr mag: Ich hab selten eine so verquaste Rezension gelesen. Wer es sich dennoch antun will, bitte sehr: Ein Ozean aus Glas im Kölner Dom