Das Saarländische Künstlerhaus zeigt neue Arbeiten der Luxemburgerin Carine Kraus

Noch immer sind zeitgenössische luxemburgische Künstler im Saarland kaum bekannt. Schon deshalb lohnt sich ein Besuch im Künstlerhaus, das derzeit einer der wichtigsten Protagonistinnen der Kunstszene des Nachbarlandes eine Einzelausstellung widmet. Bei ihrer letzten Ausstellung im Saarland malte Carine Kraus noch abstrakt und schwelgte mit Konstruktiv-konkreter Kunst in Farbe und Form. Lange ist das her. Seit einigen Jahren malt sie figurativ und hat einen ganz eigenen Malstil gefunden.

Kraus malt realistisch, aber mit einer diffusen Weichheit, die den Bildern eine geheimnisvolle Aura verleiht. Die Sujets lösen sich in einem leichten Nebel auf, wirken oft gleichsam verwischt und suggerieren so Bewegung. Meisterhaft ist „Gianfranco 4“, das einen Tänzer in weißer Leinenkleidung zeigt, der mit ausgebreiteten Armen über eine Bühne wirbelt. Künstler stehen oft im Mittelpunkt der Gemälde. Meist sind es intime Momente, die auf den Bildern verewigt sind. Flüchtige Augenblicke, die wie eingefroren scheinen.

Grundlage für die Gemälde sind Fotografien, doch von fotografischem Realismus sind sie weit entfernt. Gesichter sind nie erkennbar. Entweder sind sie nur angedeutet oder der Ausschnitt ist so gewählt, dass die Gesichter außerhalb des Bildraumes liegen. Oftmals drehen die Protagonisten dem Betrachter den Rücken zu. So rückt die menschliche Figur in den Fokus, wird aber ihrer Individualität beraubt.

Tritt man an die Leinwand heran, erkennt man, dass die Bilder aus kaum sichtbaren Schichten von Lasuren in zarten Farbtönen aufgetragen wurden und sich nur gelegentlich an Formgrenzen verdichten. Die Farbe liegt s wie Puder auf der Leinwand und die Strukturen des Gewebes bleiben sichtbar.

Durch die kaum ausgearbeiteten Hintergründe entziehen sich die Bilder jedem Gefühl für Raum oder Zeit. So rücken andere Elemente in den Mittelpunkt: Bewegung, Haltung und Körpersprache erzählen kleine Geschichten. Die Lust am Augenblick ist Kraus’ Antrieb.

Im Studio tobt sich Lisa Marie Schmitt aus. Schmitt ist Meisterschülerin bei Georg Winter an der HBK Saar. Sie ist vielmehr eine Poetin als bildende Künstlerin. Ihre Videos und Installationen leben von Sprache und Rhythmus. In einem nüchternen Duktus spricht sie in ihren Videos Texte, die vor dem inneren Auge des Betrachters eine Szene entstehen lassen, die die Bildsprache in Frage stellen. Irritiert muss sich der Besucher auf Bild und Ton einlassen und sich seinen Weg durch den Wortdschungel bahnen. Ganz bewusst hintertreibt sie damit unsere Vorstellungen von künstlerischen Gattungen. Nicht einfach und oft herausfordernd, aber spannend.

Im studioblau zeigt das Künstlerhaus Videoarbeiten des Franzosen Clément Richem. Richem setzt sich mit den Prozessen von Leben und Vergehen, sowie Aufbau und Zerstörung ein. Im Zeitraffer baut der Franzose Landschaften und Städte aus Lehm, Sand und Pflanzen auf und lässt sie zugrunde gehen.

Bis 22. Oktober 2017, Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken