Die Galerie Zimmerling & Jungfleisch zeigt Arbeiten ihrer Künstler, die am ArtWalk beteiligt sind.

Der ArtWalk ist fertig. Das war wohl die wichtigste Botschaft der Vernissage am vergangenen Samstag in der Saarbrücker Galerie Zimmerling & Jungfleisch. Grundidee des Projekts ist die Gestaltung von zwölf Hauswänden durch fünfzehn renommierte Urban-Art-Künstler in der Innenstadt Saarbrückens. Ab Herbst sollen diese dann zu einem Kunstspaziergang vernetzt werden. Nachdem die Galerie Neuheisel bereits vor einigen Wochen ihre beteiligten Künstler vorgestellt hat, ist nun die Galerie im Quartier am Eurobahnhof an der Reihe. Auch wenn die Gruppenschau dieses Mal nicht so richtig harmonisch wirkt, ist die Ausstellung empfehlenswert. Es besteht nämlich die seltene Möglichkeit, bei einem Spaziergang durch die Stadt die Werke von Street-Art- und Graffiti-Künstlern im urbanen Raum zu sehen und dann in der Galerie ihre Wandlung zu Leinwand-Akteuren zu verfolgen, die sich von den Limitierungen ihrer ursprünglichen Kunst befreit haben.

Werk von Stohead, Foto. Galerie Zimerling & Jungfleisch
Werk von Stohead, Foto. Galerie Zimerling & Jungfleisch

Da ist Alexey Luka, der neben der Skizze zu seinem Werk an der Garage auch eine Assemblage zeigt, die seine Arbeit in die dritte Dimension wachsen lässt. Oder LX.One, der gemeinsam mit Remi Rough ein Haus an der Ecke Försterstraße/Cecilienstraße verschönert hat. Seine flirrenden Drucke sind weit besser, als es die Hauswand je sein könnte. Genauso wie Roughs atemberaubende Sprühlackarbeiten auf ungrundierter Leinwand und Büttenpapier, die mit Licht und Schatten, Farbe und Raum spielen. Noch offensichtlicher wird das bei Stohead, der gleich mehrfach mit seinen rauchigen Farbverläufen vertreten ist, die sich auf einer Wand kaum umsetzen lassen. Neben der Leinwand nutzt Stohead auch Transparentpapier als Malgrund, das die Farben aufleuchten lässt. Hausherr Reso alias Patrick Jungfleisch verabschiedet sich von der Ambivalenz aus kühler Ästhetik und dynamischer Emotionalität der scharfkantigen Tags und geht zu einer gestischen Malerei über, deren emotionaler Charakter deutlich leichter zu lesen ist, als die für viele doch sehr verrätselt wirkenden Schriftzeichen seines Künstlernamens, die inzwischen auf der Rückwand der Hochschule für Musik prangen.

Außerdem mit dabei ist Heiko Zahlmann, der skulpturale Objekte aus Leichtbeton nach Saarbrücken geschickt hat und Sen2 der neben einer für ihn typisch gegenständlichen Arbeit auch das wunderbare abstrakte Gemälde „Pasivo Infinito“ zeigt, die aber beide nicht mit dem Wandbild im Kaiserviertel mithalten können. Er ist einer der Künstler, dessen Arbeiten erst als Interventionen im öffentlichen Raum ihre Strahlkraft entfalten. Da Fintan Magee leider keine Arbeiten aus Australien im Gepäck hatte und sich lieber ganz auf seine gerade fertig gewordene Wand in der Mainzer Straße konzentrieren wollte, haben die Kuratoren entschieden, noch einige Werke von L’Atlas und Tanc aufzunehmen. Deren Arbeiten sind allerdings schwächer als die meisten Werke der ArtWalk-Künstler, weil auch ihre Arbeiten erst an einer Wand richtig zur Geltung kommen.

Open Walls, bis 25. November, Galerie Zimmerling & Jungfleisch, Saarbrücken; Informationen zum ArtWalk unter artwalk.saarland