Das KuBa in Saarbrücken zeigt in einer außerordentlichen Ausstellung Werke von Otto Lackenmacher

Obwohl Otto Lackenmacher zur goldenen Nachkriegsgeneration der saarländischen Kunst gehört, ist sein Werk nur eingefleischten Kennern und Sammlern ein Begriff. Vielleicht weil er nicht zu der der Abstraktion zugewandten „neuen gruppe saar“ um Boris Kleint gehörte, sondern sich ganz der Figur verschrieben hatte und sich damit gängigen Strömungen der Nachkriegskunst widersetzte.

Liebespaar, 1987; © Otto Lackenmacher, Foto: Peter Riede
Liebespaar, 1987; © Otto Lackenmacher, Foto: Peter Riede

Lackenmacher hatte bei Frans Masereel studiert und blieb dem Lehrer stilistisch lange treu. Deutlich wird das insbesondere bei den Linolschnitten der 1940er- und 1950er-Jahre, die sich mit ihrer Flächigkeit und den dicken Umrisslinien stark an Masereel orientieren. Schon früh zeigte der Künstler dabei eine erstaunliche Reife. Die Ausgegrenzten waren bestimmendes Bildthema. Einsamkeit, Schmerz und Leid sind allgegenwärtig, wie auch bei seinem Vorbild Goya. Kurator Andreas Bayer zeigt mit der Kreuzigungsszene „Golgatha“ von 1947 und einer Straßenszene von 1949 zwei außergewöhnliche Werke aus dieser Zeit.

Die Ausstellung versammelt auch einige Gemälde aus dem Frühwerk. Alle sind Porträts von Frauen. Mit kurzem und breiten Pinselstrich sind sie in expressionistischer Farbgebung auf die Leinwand gebracht worden – mal pastos, dann wieder so dünn, dass das Gewebe des Malgrundes erkennbar bleibt. Es sind wunderbar zarte Gemälde von fast betörender Schönheit.

Zeit seines Lebens war Lackenmacher ein Getriebener. Der Vater starb früh, mehrfach war er in Kinderheimen unterbracht. So war es vor allem eine stetige Suche nach Nähe, die den Künstler antrieb. Diese Sehnsucht trieb ihn in den Alkohol und in das Rotlichtmilieu. Als er sich Mitte der 1960er Jahre der Grafik verschrieb, wandelten sich die Inhalte seiner Bilder. Sein Werk ist stark erotisch aufgeladen, nicht selten spielte der Saarländer mit der Nähe zur Pornographie. Lackenmachers Lebenswirklichkeit rückte in den Mittelpunkt. Oft spielte dabei die schonungslose Selbstinszenierung eine Rolle. Um ihn herum das, was sein Leben bestimmte: die Frauen und der Alkohol. Wie zerrissen Lackenmacher zwischen Liebe und Sexualität war, zeigt eine Radierung, in dessen Mittelpunkt seine Lebensgefährtin Edna Schmidt mit der gemeinsamen Tochter sitzt. Um sie herum Szenen aus dem Alltag von Prostituierten. „Radier’ oder krepier’“ wurde zum geflügelten Wort Lackenmachers und tatsächlich gewinnt man den Eindruck, Lackenmacher habe um sein Leben gezeichnet.

In den 1980er Jahren kehrte er zurück zur Malerei. Diese Bilder sind sanfter als die Grafiken, auch wenn sie ein erotisches Moment behalten. Doch den Bildern fehlt es oft an Kraft und Ausdruck. Nur manchmal blitzt das Genie auf, wie etwa in dem Bild „Liebespaar“ aus dem Jahr 1987, das ein ineinander verschlungenes Paar in goldenen Farben leuchten lässt. Unschwer lässt sich erkennen, dass es sich bei dem Mann um Lackenmacher handelt, der mit einer Frau nackt und eng umschlungen auf einem Bett sitzt. Es war eines seiner letzten Werke.

Die gezeigten Arbeiten stammen aus der Kunstsammlung des Saarlandes und wurden um private Leihgaben ergänzt. Trotz des sehr begrenzten Raumes hat es Bayer geschafft, eine sehenswerte und stimmige Ausstellung zu konzipieren, die den Besucher in den Kosmos von Lackenmacher entführt.

Otto Lackenmacher. Malerei und Graphik, bis 15. Oktober 2017, Galerie im KuBa, Saarbrücken