Die Saarbrücker galerieampavillon in der Mainzer Straße zeigt eine retrospektive Ausstellung zu Hermann Theophil Juncker

Die Kunstgeschichte der Nachkriegszeit wurde im Saarland vor allem von der „neue gruppe saar“ bestimmt. Für die Künstler abseits der Konkreten Kunst blieb in der Öffentlichkeit nur wenig Platz und so sind ihre Namen bis heute oft nur Kennern der regionalen Kunstszene ein Begriff. Dazu zählt auch Hermann Theophil Juncker.

Juncker wurde 1929 in Ludwigshafen geboren und kam 1931 in das Saarland, als der Vater eine Stelle als Religionslehrer in Homburg antrat. Vater Franz, selbst Maler, prägte den Filius und förderte ihn früh. Von 1950 bis 1954 studierte Juncker an der Kunstakademie Karlsruhe bei Otto Laible und Erich Heckel. In den 1950er Jahren malte er noch stark gegenständlich und im Stil der Expressionisten, versank dann kurz im Kubismus und fand schließlich seinen eigenen Stil. Die Linie wurde zum bestimmenden Element seiner Arbeit. Die Form vollendet sich bei Juncker aus dem Strich, der ohne zur Schraffur zu werden auf dem Blatt kumuliert. Trotz der Gegenständlichkeit der Bilder bleiben diese nahe an der Abstraktion und obwohl gerade den Grafiken etwas Skizzenhaftes anmutet, sind es fein austarierte dynamische Netzwerke.

Hermann Theophil Juncker, Seemannsgarn 2010, Öl auf Leinwand, Foto: Hans Karl Reuther/galerieampavillon
Hermann Theophil Juncker, Seemannsgarn 2010, Öl auf Leinwand, Foto: Hans Karl Reuther/galerieampavillon

Die Form muss der Betrachter erahnen und sich von Assoziationen und Interpretationen leiten lassen. Es sind Ansichten urbaner Landschaften, Schiffe und menschliche Figuren, die Junckers Bilder bestimmen. Besonders stark sind die Radierungen, von denen Galerist Hans Karl Reuther einige der schönsten Exemplare zeigen kann, die die ganze Bandbreite von Junckers Schaffen aus den letzten 50 Jahren offenbaren. Einige der schwarzweißen Radierungen wurden farbig zart nachaquarelliert und setzen Akzente ohne das Filigrane der Werke zu zerstören.

Ganz anders sind die neueren Gemälde, die als wuchtige Bekenntnisse zu Farbe und Material daherkommen. Wie etwa „Bleu mourant“ (2012) in dem das Blau tatsächlich zu verschwinden scheint, weil es von einem Nebel aus Weiß geschluckt wird. In „Maritim“ (2016) schweben Balletttänzerinnen geisterhaft über eine quadratische Bühne. Es könnten aber auch Fische sein, die sich da im Blau des Meeres tummeln. Der Titel impliziert zwar die zweite Deutung, doch ganz sicher dürfe man sich da nicht sein, verrät Reuther, denn die Titel vergebe der Künstler eher intuitiv.

Die Ausstellung zeigt einen breiten Überblick über das Schaffen Junckers und präsentiert zahlreiche Grafiken, Tuschezeichnungen und Gemälde gleichberechtigt nebeneinander. Eine kleine Sensation ist die Plastik auf dem Fensterbrett der Galerie, denn Juncker hat nur sehr wenige bildhauerische Werke geschaffen.

Hermann Theophil Juncker. Panta Rhei, galerieampavillon, Mainzer Straße 100, Saarbrücken, bis 13. Mai 2017

Foto: Hermann Theophil Juncker, Seemannsgarn 2010, Öl auf Leinwand, Foto: HansKarl Reuther/galerieampavillon