Am 28. April 2017 startet die 11. Landeskunstausstellung im Saarland. Ein erster Überblick.

Die ehemalige Lehrwerkstatt des Eisenbahnausbesserungswerks im Saarbrücker Stadtteil Burbach ist ein schöner Ziegelsteinbau mit hohen Fenstern. Das Gebäude thront an einem Hang über dem Ausbesserungswerk,von dem nur die denkmalgeschützten Gebäude geblieben sind. Die riesige Gleisharfe musste Platz machen für Gewerbeansiedlungen, die allerdings auf sich warten lassen. Auch die riesige Werkstatthalle steht noch leer und wartet auf eine Wiederverwendung. Weil die Moderne Galerie des Saarlandmuseums gerade geschlossen ist und sich für die große Wiedereröffnung im Herbst aufhübscht, musste Kuratorin Cornelieke Lagerwaard sich nach einem Ersatz für die 11. Landeskunstausstellung umsehen. Sie besuchte mit ihrem Team auch die Lehrwerkstatt und war sofort begeistert. Die große Halle bietet genügend Raum und nahezu ideale Lichtverhältnisse in einem industriegeschichtlichen Ambiente. Einziger Wermutstropfen: Von den rund 430.000 Euro Gesamtbudget verschlang die Halle rund 130.000 Euro. Alleine die extra angefertigten Stellwände kosteten 80.000 Euro. Die sind zwar nicht verloren, weil sie zukünftig von den Kunstinstitutionen des Landes genutzt werden können, fraßen aber ein gehöriges Loch in den Etat.

Neben Burbach sind auch Ausstellungen an elf weiteren Orten im Saarland und in der Saarländischen Galerie in Berlin zu sehen. Dazu zählen: die Schlosskirche in Saarbrücken, die Stadtgalerie das Saarländische Künstlerhaus, das Kulturzentrum am EuroBahnhof, das Pingusson-Gebäude (ehemaliges Bildungsministerium), die Städtische Galerie Neunkirchen, das Museum Haus Ludwig in Saarlouis und das dortige Forschungszentrum für Künstlernachlässe, die Völklinger Hütte und das Museum St. Wendel. Insgesamt werden mehr als 100 Werke von 91 KünstlerInnen gezeigt. Alle Ausstellungen sind für die BesucherInnen kostenfrei.

Blick auf die Ausstellungsituation

Die Kuratorin hat kein festes Konzept. Wie bei jeder Landeskunstausstellung war auch hier die Vorgabe, dass die Künstler einen festen Bezug zum Saarland haben müssen, also hier geboren sind, hier studiert oder länger gearbeitet haben oder hier leben. Lagerwaard wollte das künstlerische Potenzial der region aufziegen udn das möglichs tin seienr ganzen Breite. Ein zusammenhängendes Thema hatte Lagerwaard nicht im Kopf. Für sie war wichtig, dass die einzelnen Ausstellungen funktionieren und die Werke miteinander kommunizieren. Im Ausbesserungswerk Burbach hat sie vor allem konkrete und expressive Kunst versammelt. Im Künstlerhaus sind eher dokumentarische werke ausgestellt, in Merzig ist das Thema Traum ein Oberbegriff, in Neunkirchen Menschenbilder, in St. Wendel Poesie, im haus Ludwig die Gesellschaft. Etwas Besonderes ist der Pingusson-Bau, Hier sind nicht arrivierte Künstler am Start, sondern Studierende der HBK und ihre Professoren. Sie beschäftigen sich mit dem leerestehenden Gebäude, das kaum wie ein zweites für eine Idee von Europa steht.

Im Rahmen der Pressekonferenz am 24. April 2017 führte Lagerwaard durch die fast fertige Ausstellung in der temporären Kunsthalle in Burbach. Man kommt nicht umhin recht schnell festzustellen, dass die Halle tatsächlich ideal zur Präsentation von Kunst ist und das Saarlandmuseum durchaus würdig vertritt. Die hohe Halle wurde durch weiße Stellwände und Wandverkleidungen in einen White Cube verwandelt und bietet ein Labyrinth mit immer neuen Blick auf die Kunst. So entsteht mal ein Zusammenspiel, das die Werke zum klingen bringt und ein anderes Mal ein bewusster Bruch.

Das Licht fällt durch die hohen Fenster fast ideal. An den Stirnseiten führen Treppen in höher gelegene Seitenräume, die ebenfalls als Ausstellungsfläche dienen. Hier findet sich dann auch schon ein kleines Highlight. Philipp Neumann hat hier einen Pool mit schwarzem Wasser aufgebaut. Der suggeriert nicht nur unendliche Tiefen, die schwarz schimmernde Oberfläche spiegelt den Betrachter und die Umgebung. Ein weiteres Highlight ist die Arbeit von Gregor Hildebrandt. Der hat eine schier unendliche Anzahl von Kassettenhüllen gestapelt und zeigt ein fragmentiertes sehr zartes Unterwasserbild eines Schwimmbades. Es dürfte eine der stärksten Arbeiten der Ausstellung sein. Aber auch sonst können Werke und Zusammenstellung durchaus überzeugen. Unter den Ausstellenden sind klangvolle Namen wie Arvid Boecker, Werner Constroffer, Nikola Dimitrov, Daniel Hahn (Raks) Lukas Kramer, Horst Linn, Werner Bauer Dirk Rausch Stoll & Wachall und Claudia Vogel. Anschauen lohnt sich also!

Weitere Berichte und Rezensionen zu den Ausstellungsorten werden folgen!

Bis 2. Juli 2017. Zur SaarArt 11 wird es ein umfassendes Begleitprogramm geben. Mehr unter http://saarart11.de. Am 14. Mai erscheint außerdem ein Katalog.