Wo? Na in den Deichtorhallen in Hamburg. Dort läuft bis zum 24. September 2007 die Ausstellung „Erwin Wurm – Das lächerliche Leben eines ernsten Mannes. Das ernste Leben eines lächerlichen Mannes“ und besser hätte man den Titel nicht wählen können. Selten hat Kunst so viel Spaß gemacht und zur Erheiterung der Besucher beigetragen.

Kein Wunder, Wurms Kunst lädt dazu ein, seine Arbeiten zu entdecken und ihnen mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Mit seinen „One Minutes Sculptures“ hat er einen ganz neuen Typus der Skulptur erfunden. Für einen Moment werden Vorgehensweisen ritualisierten menschlichen Handels verschoben oder dekonstruiert. Mit den Mitteln der Übertreibung, der Paradoxie und der Groteske schafft Wurm Situationen, die verwirrend wirken und den Betrachter zwingen, eigene Handlungen zu überdenken und nach Handlungsanweisungen des Künstlers zu agieren. Nachdenklich, staunend oder erheitert steht man vor den Skulpturen. In „Keep a cool head“ soll der Ausstellungsbesucher die Anweisung wörtlich nehmen und den Kopf in einen Kühlschrank stecken. Nicht etwa durch die Tür, sondern durch ein Loch in der Seitenwand.

Wurms neuestes Projekt hat er eigens für die Ausstellung konzipiert. Mit „House Attack“ (2007) stellt er die Welt eines Einfamilienhauses auf den Kopf. Mitten in der Halle liegt ein Haus auf dem Dach, als ob ein Tornado durch einen Hamburger Vorort gewirbelt wäre, das Haus mit sich genommen und in der Halle einfach fallen gelassen hätte. Allerdings stehen die Möbel noch an Ort und Stelle.

Immer sind es ganz banale , elementare Lebensbedürfnisse oder -abläufe, die Wurm ins Visier nimmt und ins Groteske deformiert. Wurm thematisiert gesellschaftliche Konventionen der modernen Gesellschaft. Schlankheitswahn und Fettsucht, Werbung und Konsum, zu dessen zentralen Fetischen das Auto zählt.

In „Telekinetically bent VW-Van“ (2006) präsentiert er uns einen verbogenen VW-Bus. „Fat Convertible“ (2005) ist ein Porsche, der aussieht, als sei die Karosserie aufgepumpt wurden, ähnlich wie das „Fat House“ (2003). Mit seinen Skulpturen lotet Wurm die Grenzen zwischen Skulptur, Aktion und Performance neu aus. Und es macht auch noch richtig Spaß!

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