In der Presseerklärung der Hamburger Kunsthalle heißt es:

Wie nur wenige prägt Daniel Richter seit den neunziger Jahren die Malerei in Deutschland. Die Hamburger Kunsthalle zeigt ab dem 4. Mai 2007 eine große, retrospektiv angelegte Ausstellung über das Werk des 1962 geborenen Künstlers.

Man könnte meinen, Richter gehe auf die Siebzig zu, die neunziger Jahre seien schon ewig vorbei und er hätte sein Malerleben schon hinter sich. Dabei sind seine Werke in den letzten Jahren kein bisschen schlechter geworden – im Gegenteil, sie strotzen nur so vor Erzählkraft und malerischer Poesie.

Daniel Richter, Gedion, 2002, Saatchi Collection, London
Daniel Richter, Gedion, 2002, Öl, Lack auf Leinwand, 306 x 339 cm
© Saatchi Collection, London, © Foto: Jochen Littkemann/Courtesy Contemporary Fine Arts

Anfangs arbeitete Richter abstrakt, malte farbenfrohe Bildwelten mit psychedelischem Einschlag, wahre Farbgemetzel. Ein wildes All-Over aus Farbgekröse. Doch um die Jahrtausendwende begann Richter eine künstlerische Wende. Er vollzog in den letzten Jahren relativ rasch einen Wandel hin zur figurativen Malerei. Anfangs zaghaft lugten einzelne Köpfe aus den Farbnebeln, dann immer aggressiver tauchten ganze Körper auf, um schließlich zum Bild bestimmenden Element zu werden. Dabei kombiniert Richter massenmediale und popkulturelle Versatzstücke zu neuen eigenen Bildwelten. Seine großformatigen, meist figurenreichen Gemälde sind stark von Bildern aus Zeitungen, Zeitschriften, Plattencovern und Büchern inspiriert.

Sofort erinnern die Werke an Goya. Mit grobem Pinselstich trägt er die Farben auf, kräftige Farben bestimmen die Bilder nach wie vor. Seine Figuren sind Gequälte, verlorenen Seelen und Einzelgänger. Den Hintergrund bilden oft heruntergekommene Fassaden öder Nachkriegsarchitektur oder Farbfelder. Fast immer sind es alptraumhafte Szenen, die das Sujet seiner Gemälde bestimmen. Mal sind es von Vorlagen inspirierte Bilder, in denen Richter reale Meldungen über Bootsflüchtlinge oder Überschwemmungsopfer verarbeitet. Andere Bilder scheine eher wie Traumsequenzen, surreal, beängstigend oder unergründlich wie die „Märchenbilder“ – so nennt sie Richter. In „Eston“ (2004) hält ein Schimpanse die Zügel von zwei Pferden, auf denen ein Ritter und ein Cowboy sitzen. Und dann sind da noch die „Historienbilder“, die geschichtliche Themen in Richters eigener Chiffrensprache verschlüsseln.

Daniel Richter, Capitain Jack, 2006, Sammlung Scharpff
Daniel Richter, Capitain Jack, 2006, Öl auf Leinwand, 268,5 x 332,5 x 4,5 cm
© Sammlung Scharpff, &copy Foto: Jochen Littkemann, Berlin/Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin

Für mich ist Daniel Richter einer der wenigen großen deutschen Maler, bei denen es sich wirklich lohnt, genau hinzuschauen. Hoffen wir, dass er sich dem Gesabber des Kunstmarkts widersetzt und seine Bilder ihre Kraft behalten. In der Kunsthalle sind 57 großformatige Gemälde zu sehen, von Frühwerken bis hin zu neuen Gemälden. Dafür wurden extra zwei Stockwerke in der Kunsthalle leergeräumt, in denen sonst Ikonen der modernen Malerei hängen. Ein gebührender Platz, unbedingt anschauen!