Zu den berühmtesten Bildern Joe Colemans gehört „The Glory that was once New York“ (1994). Wer jetzt heroische Bilder aus dem alten New York erwartet wird enttäuscht. Im Mittelpunkt des Bildes versammelt Coleman alles Übele, was bei der Gründung New Yorks so in der Stadt weilte. Vorne im Bild sitzen drei Pokerspieler an einem Fass, das als Tisch dient. Ein Seemann, ein Clochard und ein Al-Capone-Verschnitt, dessen Visage eher einem Frosch als einem Menschen gleicht zocken um die Wette.

Im Hintergrund in den Straßen der Stadt bieten Prostituierte ihre Dienste an, während Freier sie begrabschen. Abgemagerte Kreaturen betteln um ein bisschen Geld, während um sie herum Hunde und Ratten nach etwas Essbaren stöbern. Ein nach Schläger aussehender, grobschlächtiger Trinker trägt einen Pfahl, auf den ein Kaninchen genagelt wurde, Männer prügeln ihre Frauen durch die Straßen, Betrunkene werden von Schweinen angefallen, in einem Abbruchhaus liegt eine Frau im Sterben. Den Rahmen um das Gemälde bilden Waffen, Wappen und ein paar Porträts von legendären Unterweltgrößen wie „Sadie the Goat“, „Albert Hicks“ und „Humpty Jackson“. In der Fantasie von Joe Coleman muss New York wohl die Hölle gewesen sein.

Doch das ist nicht der einzige Abgrund, den Coleman in seine Bildern verarbeitet. In „Portrait of Charles Manson“ (1988) stellt er den Mörder der Schauspielerin Sharon Tate dar. Manson thront in der Bildmitte, auf seinen Schultern drei Köpfe, deren Stirn ein Hakenkreuz ziert. Links und rechts davon in den oberen Ecken in einem Wolkengewaber schauen den Betrachter Jesus Christus und Adolf Hitler an. Unten tobt ein Höllenfeuer und um Manson herum erzählt Coleman in comicartigen Szenen die Geschichte des Mörders.

Aber auch vor der eigenen Psyche macht Coleman nicht halt. In „Joe’s Fear of desease“ (2001) sitzt uns der Maler gegenüber. Die Hände hat er im Schoß verschränkt, eine Hälfte ist nackt, der anderen hat er die Haut abgezogen. Darunter sieht man sein Innenleben. Um den Körper herum wieder in kleinen Comicbildchen sämtliche Ängste und Krankheiten, lebensbedrohliche Situationen und körperliche Gebrechen, vor denen der Maler sich fürchtet, ein Meisterwerk für jeden Hypochonder.

Während Coleman in Amerika, den USA und Frankreich relativ bekannt ist, kenne ihn hierzulande nur wenige Insider. Das möchte das „KW Berlin – Institut für zeitgenössische Kunst“ ändern und widmet dem Maler vom 27. Mai bis zum 19. August 2007 eine Ausstellung. Seine Bilder wirken immer wie eine Mischung aus Gotik und Comic, aus Hieronymus Boschs Visionen und mittelalterlicher Miniaturmalerei, aufgepeppt mit den Massenmödern und Psychopathen unserer Zeit. Seine Themen sind immer wieder Abgründe des Menschen, er porträtiert mit Lust Mörder, Psychopathen und Irre und erzählt ihre Geschichte, seziert sie geradezu. Ein wahrer Augenschmaus, den zu sehen sich lohnt!

Mehr über den Maler auf seiner Webseite und dem KW Berlin.