Das Saarlandmuseum präsentiert minimalistische Gegenwartskunst aus Polen

Extremer können Gegensätze in der Kunst kaum sein: Während in den Ausstellungsräumen der Modernen Galerie gerade die opulenten Meisterwerke Albert Weisgerbers expressionistisch glühen, zeigt das Museum im großen Saal für Wechselausstellungen minimalistische Werke des polnischen Künstlers Michał Budny. Wo Weisgerbers erotische Odalisken auf Anhieb begeistern, sperren sich Budnys minimalistische Werke allzu leichter Erkenntnis.

Das Werk des Polen reicht von kleineren Objekten und Skulpturen über Assemblagen bis zu monumentalen Installationen. Die sechs gezeigten Arbeiten kommen auf den ersten Blick recht einfach daher und man muss sich auf sie einlassen, um sie zu verstehen. Nimmt man sich die Zeit, kann man Wunderbares entdecken.

Der Künstler nennt seine Objekte „Modelle für den geistigen Gebrauch“. Sie sind nicht für den einfachen Konsum gedacht, sondern sollen beim Betrachter geistige Prozesse auslösen, die den Raum füllen. Gestalt und Material treten in den Hintergrund. Budny spielt nicht nur mit Oberfläche und Form, sondern auch mit der Architektur des Gebäudes. Akribisch beschäftigt sich der Pole mit der jeweiligen Museumsarchitektur und nimmt Räume und Lichtverhältnisse in die Arbeiten auf.
Die Werke sind in Form und Farbe äußerst reduziert. Budny nutzt diesen Minimalismus, um den Betrachter herausfordern. So ist „Passive Figur“ ein Klotz in warmen Holzfarben. Um den Monolithen zu begreifen, muss man sich aber um den Körper herumbewegen. Dabei verändert er sich vor dem Auge des Betrachters immer wieder. Am stärksten mit dem Raum korrespondiert die schwarze Lattenkonstruktion „Vorhang“ in der Raummitte, die den riesigen Saal zu teilen scheint, damit strukturiert und doch das Licht frei passieren lässt und den Blick nicht behindert, sondern geradezu fordert. So muss man sich Werk und Raum immer wieder neu erarbeiten und gewinnt auch einen anderen Blick auf die Gebäudearchitektur.

Budny-Gewalt-Figur

Michał Budny, Gewalt Figur – Figure de la violence – Figure of Violence, 2015
Holz, MDF, Laminat, Schnitte, Klebeband, 20 cm x 600 cm x 500 cm
Installation Saarlandmuseum / Moderne Galerie, 2015

Foto: Tom Gundelwein, © Michał Budny, 2015, courtesy Michał Budny/Galerie Nordenhake, Berlin

In „Gewalt Figur“ hat Budny mit der Kreissäge Linien in einen flachen grauen Körper geschnitten. Einige sind tief und schmal, wirken so fast schwarz. Andere sind breit und flach und geben so den Blick auf das Innenleben der hellen Spanplatte frei. Mit brutaler Gewalt entstand so ein zartes, fast poetisches Linienwerk, das sich beim Umkreisen ständig verändert und die Lichtverhältnisse im Raum aufgreift und widerspiegelt.

Schon länger beobachtete Museumdirektor Roland Mönig den 1976 geborenen Polen und als sich anlässlich der Musikfestspiele Saar und deren Schwerpunktland „Polen“ die Gelegenheit bot, fragte er bei Budny an. Der war von der Architektur des Museumsbaus angetan und sagte sofort zu. Es wäre spannend gewesen, zu sehen, was er mit dem Rohbau des Vierten Pavillons angestellt hätte, doch das war leider nicht möglich. Ein wenig schade ist das schon, den der Platz im Ausstellungssaal ist fast zu klein, um die Werke voll zur Entfaltung kommen zu lassen. Bleibt zu hoffen, dass Budny nach Eröffnung des Vierten Pavillons noch einmal zurückkommen darf.

Bis 13. September 2015, Moderne Galerie, zur Ausstellung wird im Sommer ein Katalog erscheinen.