Hochkarätige Urban Art in der Galerie Zimmerling & Jungfleisch

Noch immer nehmen viele Vertreter der Hochkultur in Deutschland die Urban Art nicht ganz ernst. Diese Standesdünkel halten sich hartnäckig, auch wenn die Künstler in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich längst etablierte Größen im Kunstbetrieb sind. Für viele Museen sind die Sprayer keine ernstzunehmenden Künstler, sondern den Kinderschuhen entwachsene Vandalen, die nun an das große Geld des Kunstbetriebs wollen. Wie falsch das ist, beweist gerade die tolle Ausstellung „Ambiguity“ in der Galerie Zimmerling & Jungfleisch. Die Arbeiten der vier ausgestellten Künstler beweisen, welch hohen Qualitätsanspruch die Urban Art vertritt und wie sehr sie inzwischen mit der traditionelle Kunst verschmolzen ist.

Da ist der US-Amerikaner Augustine Kofie, dessen Arbeiten eine wunderbar zeitgemäße Interpretation des Futurismus und Konstruktivismus in einem ganz eigenen, unverwechselbaren Stil sind, der an Gebäudezeichnungen erinnert. Oder der Franzose LXone mit seinen stark geometrisch geprägten Gemälden und Plastiken aus Beton, Plastik oder Pappe. Beiden Künstlern gemeinsam ist als Inspirationsquelle die urbanen Architektur. Auch Remi Roughs neuste Arbeiten können überzeugen. Der Londoner malt mit dem Pinsel gestische Abstraktionen im Stil des Abstrakten Expressionismus und sprüht minimalistische Kompositionen, die an Kandinskys Suprematismus erinnern.

Ausstellungsansicht

Ausstellungsansicht

Ausstellungsansicht, Foto: ©LXone

Ebenfalls in der Ausstellung vertreten ist Poesia, der in San Francisco eine Galerie betreibt und Gründer des bedeutenden Blogs „Graffuturism“ ist. Als einziger in der Schau ist er sehr nah an den Wurzeln der Urban Art geblieben, „verdeckt“ diese jedoch. Meist beginnt er mit einem Buchstaben seines Künstlernamens und trägt dann darüber Farbschicht um Farbschicht auf. So entstehen Werke, die von der besonderen Wirkung sich überlappender Farbbalken geprägt sind. Vom Anfangs-Tag bleibt nur der Titel, der den oder die Buchstaben verrät.

Bis 18. Juli, Galerie Zimmerling & Jungfleisch, Saarbrücken