Aus einer Bierlaune heraus kamen die Freunde Patrick Jungfleisch und Dirk Zimmerling im vergangenen Jahr auf die Idee, eine Galerie zu gründen. Rasch erkannten die beiden, dass sie ein ideales Team für ein solches Unterfangen wären und begannen mit der Umsetzung. Zimmerling bringt als Unternehmer und Vertriebsleiter das nötige kaufmännische Verständnis mit, Jungfleisch organisiert als Urban-Art-Künstler Reso schon seit vielen Jahren Ausstellungen. Er besitzt ausgezeichnete Kontakte und das nötige Fachwissen.

Der programmatische Schwerpunkt der Galerie war aufgrund von Resos Arbeit war schnell umrissen und der potentielle Markt nicht uninteressant. Die vom Leben im urbanen Raum inspirierte Kunstrichtung der Urban Art gewinnt seit Jahren weltweit zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Museen und Sammler interessieren sich für die Kunst, die ihren Ursprung in Graffiti und Street Art hat.

Mit „Portraits & Profiles“ präsentiert die neue Galerie gleich drei bedeutende Künstler in durchdachter Hängung. Hohe Decken, viel Tageslicht und der Charme industrieller Architektur in der alten Buswerkstatt hinter dem Hauptbahnhof sind hervorragend geeignet, Kunst zu präsentieren.

Blick in die Galerie Zimmerling & Jungfleisch
Blick in die Galerie Zimmerling & Jungfleisch

Blick in die Galerie Zimmerling & Jungfleisch, Foto: Galerie Zimmerling & Jungfleisch, Saarbrücken

Am Eingang wird man von großformatigen Schwarzweißporträts empfangen. Sie stammen von Hendrik Beikirch, der mit Sprühlack, Acrylfarbe und Tinte anrührende Porträts einfacher Menschen fertigt. Dabei bleibt er mit der Nutzung von Sprühlacken nahe am Graffiti. Seine Gemälde sind ein Musterbeispiel dafür, wie wunderbar klassische Materialien die gesprühte Farbe ergänzen und dabei helfen, die Charaktere der Dargestellten auf die Leinwand zu bannen. Bildinhalt und Material gehen einen vielfältigen Dialog ein. Die zerfließenden Farbnasen konterkarieren die Perfektion der fotorealistischen Abbildung ideal. Die realistische Darstellung erlaubt einen detaillierten Blick auf die Menschen, die Farbnasen unterstreichen die raue Lebenswirklichkeit der vom Leben Gezeichneten.

Im großen Raum der Galerie hängen Werke des französischen Altmeisters Jef Aerosol, der mit seinen Schablonen-Grafitti zweifellos zu den stärksten Urban-Art-Künstlern gehört. Die gezeigten Porträts von Stars sind allerdings leider nicht seine besten Werke. Als Kontrast zu den realistischen Porträts von Beikirch und Aerosol zeigt die Galerie Werke von Sozyone. Der Belgier malt Porträts aus schwarz umrandeten, amorphen Farbflächen, die sich wie Puzzleteilchen zu maskenhaften Gesichtern zusammensetzen. Die dekonstruierten Fratzen wirken bedrohlich und erinnert an die fiesen Bösewichte aus den Marvel-Comics.
Schon die Eröffnungsausstellung ist ein Paukenschlag. Es bleibt abzuwarten, ob die Galerie weiter auf diesem hohen Niveau arbeiten kann, doch die Vorschau für das kommende Jahr ist viel versprechend: Jean Faucheur, John „CRASH“ Matos, Remi Rough LXone und Sen2 sind nur die ganz großen Namen. So dürfte die Galerie bald in der ersten Liga für Urban Art in Europa spielen. Schon jetzt ist das Haus aber ein Gewinn für die Kunstszene der Großregion.

„Portraits & Profiles“, bis 10. Januar 2015, Galerie Zimmerling & Jungfleisch