Wer am Freitag Abend an der Stadtgalerie vorbeikam, erlebte im Innenhof eine gespenstische Szenerie. Eine Frau und ein Mann schleppten wortlos Eimer mit Splitt und kippten ihn in eine Badewanne. Irgendwann bestiegen sie diese und rieben sich und den anderen mit den Steinchen ein. Man sah ihnen immer wieder den Schmerz und die Anstrengungen an. Plötzlich erhoben sich die beiden, gingen zu einer zweiten Wanne und begannen sich zu waschen. Auch hier kam es zu einem Miteinander. Man schrubbte sich gegenseitig, besann sich immer wieder auf sich selbst, tauchte in das Wasser ein und keuchend wieder auf. Irgendwann stieg das Paar aus der Wanne heraus und verschwand.

Die Szene entpuppte sich als grandiose Live-Performance der deutsch-türkischen Künstlerin Nezaket Ekici und des Israelis Shahar Marcus und zweifellos ist dies die bisher eindrücklichste Aufführung des Duos. Das eigentliche Medium der Künstler ist ihr Körper mit dem sie in Beziehung zueinander treten, Energien aufbauen und sich entladen lassen und so miteinander kommunizieren. Insbesondere Ekici geht dabei immer wieder sichtbar an ihre Grenzen. Kein Wunder, ist die Deutsch-Türkin doch ehemalige Meisterschülerin von Marina Abramović. Aber anders als der ehemaligen Mentorin geht es Ekici und Marcus in den gemeinsamen Arbeiten nicht um die Erfahrung und den Ausdruck von Leid, sondern um die Darstellung von emotionalen, physischen und psychischen Ereignissen in der Beziehung zu anderen und die Auseinandersetzung mit elementaren Fragen in Begegnungen zweier Menschen.

Seit 2012 arbeiten die beiden immer wieder zusammen. In ihrer Videoperformance „Salt Dinner“ treiben die beiden im Toten Meer an einem Tisch mit allerlei Speisen. Sie essen davon und reichen sich gegenseitig Häppchen. Es ist ein ermüdender Prozess, den Salz und Sonne fast unerträglich werden lassen und eine ironische Metapher für religiöse Rituale und den allgegenwärtigen Tod mitten im Leben.

In der Performance „Floating Ourselves“ begegnen sich die beiden Künstler auf einer mit unzähligen Gläsern gedeckten Tafel. Sie fixieren sich mit ernstem Blick und bewegen sich dann langsam vorwärts. Bei jedem Schritt leeren sie ein Glas Wasser und stecken es in Taschen an den weißen Kostümen. Schließlich stehen sie sich gegenüber und bewegen sich mit einem Ruck aufeinander zu. Einige Gläser gehen zu Bruch. Es sind starke Bilder für eine Begegnung zwischen zwei Menschen.

Weniger gelungen ist die Videoperformance „Fossil“, die auf der Halde Lydia und in den Homburger Schlossberghöhlen entstand. Etwas zu bemüht versuchen Ekici und Marcus, das Thema „Mensch und Montanindustrie“ aufzunehmen. Dabei geht die zwischenmenschliche Interaktion leider verloren und das erzählerische Element wird zu stark.

Ein ausdrückliches Lob verdient die Ausstellungspräsentation, die sich nicht darauf beschränkt, die Videos zu zeigen, sondern auch „Accessoires“ aus den Performances zu integrieren, wie etwa den gedeckten Tisch aus „Floating Ourselves“.

Bis 11. Januar 2015, Stadtgalerie Saarbrücken

Dienstag bis Freitag, 12 bis 18 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage: 11 bis 18 Uhr