Gabriela von Habsburg stellt im Haus der Unternehmensverbände in Saarbrücken aus

Gabriela von Habsburg ist eine zierliche Person. Müsste man raten, welche Kunst sie begeistert, man würde wohl auf Malerei tippen. Doch weit gefehlt: Wenn die Künstlerin im Atelier steht, dann krempelt sie die Ärmel hoch, nimmt Schweißgerät und Winkelschleifer zur Hand und bearbeitet dicke Stahlplatten.

„Von Habsburg“ ist kein zufälliger Künstlername: Sie ist die Enkelin des letzten österreichischen Kaisers und entstammt dem Hause Habsburg-Lothringen. Geboren wurde die Künstlerin in Luxemburg, aufgewachsen ist sie in Bayern. Nach einem Philosophie-Studium lernte sie Ende der 1970er-Jahre an der Akademie der Bildenden Künste in München unter Robert Jacobsen und Eduardo Paolozzi. Von den beiden übernahm sie die Liebe zur Bildhauerei und noch heute erinnern ihre Arbeiten an die Formensprache Jacobsens.

Zwischen 2001 und 2009 war von Habsburg Professorin an der Kunstakademie in Tiflis und ist seit 2014 Inhaberin eines Lehrstuhls an der Visual Art and Design School in der georgischen Hauptstadt. Längst ist Tiflis zu einer zweiten Heimat geworden. Wenn sie von Georgien erzählt, gerät sie ins Schwärmen über das Land, seine Bewohner und die aufstrebende Kunstszene.

Neben der Großplastik vor dem georgischen Parlament stammt auch das Denkmal an das Paneuropäische Picknick vom 19. August 1989 bei Sopron von der Künstlerin. Damals war 661 DDR-Bürgern die Flucht in den Westen gelungen – der Anfang vom Ende der DDR. Die Monumentalarbeit ist ein 10 Meter hoher stilisierter Stacheldraht, der aus der Erde zu ragen scheint.

In Saarbrücken zeigt die Galerie m. beck aus Homburg nun Habsburgs kleinformatige Edelstahl-Plastiken und eine mittelgroße aus rostendem Stahl. Die Arbeiten sind stark reduziert auf die geometrischen Grundformen von Dreieck, Kreis, Rechteck und Linie, die von Habsburg in immer neuen Varianten verbindet. Die Formen ragen in den Raum, durchschneiden einander, öffnen und schließen sich und spielen mit Licht und Schatten. Polierte Oberflächen spiegeln Raum und Objekt und korrespondieren mit der Umgebung. Was auf den ersten Blick eintönig und einfach wirkt, entwickelt sich schnell zum visuellen Abenteuer.

In den Werken geht es nicht so sehr um mythisch aufgeladene Aussagen, wie die Titel vielleicht suggerieren, sondern um eine Herausforderung an den Betrachter, die Formen und den Raum genau zu erfassen. Leider lässt das die Ausstellung nicht so ganz zu, denn dazu müsste man die Objekte umrunden können, das ist aber in den Bürofluren des Hauses der Unternehmensverbände nicht möglich. Es ist aber auch gar nicht wirklich nötig, denn ein vorsichtiges Berühren der Kunstwerke ist ausdrücklich erwünscht. So kann man die Lage der Objekte verändern und selbst immer neue Blickwinkel ausprobieren. Die Plastiken werden zu Spielzeugen, die nicht nur visuell erforscht werden wollen. Immer wieder müssen die Arbeiten ausbalanciert und ein Punkt gefunden werden, bei dem die spitzen Objekte stehen bleiben.

Im oberen Stockwerk zeigt die Künstlerin Lithografien. Es sind kleine Gedankenexperimente, die oftmals Vorstudien zu den dreidimensionalen Objekten im Erdgeschoss sind. Der ästhetische Reiz ist aber so hoch, dass sie durchaus als eigenständige Werke gelten dürfen. Schön wäre eine direkte Gegenüberstellung von Vorstudie und Objekt gewesen, dies ließ sich aufgrund der Platzverhältnisse leider nicht realisieren.