„Großes entsteht immer im Kleinen.“ So jedenfalls heißt der neue Slogan des Saarlandes. Dass man das wörtlich nehmen darf, beweist die Hochschule der Bildenden Künste Saar. Die HBK präsentiert in ihrer aktuellen Ausstellung „Förmlich“ an fünf Orten in Saarbrücken und Völklingen die Abschlussarbeiten ihrer Absolventen. 31 Studierende schließen ihr Studium in diesen Tagen ab, darunter freie Künstler, Produkt- und Kommunikations-Designer und vier Studierende der Fachrichtung Media Art & Design.

Das Niveau der im bundesweiten Vergleich eher kleinen Hochschule ist erstaunlich hoch und lässt so manch elitäre bundesdeutsche Kunstakademie alt aussehen. Insbesondere die Werke der Kommunikations-Designer zeugen von der hohen Qualität des Jahrgangs. Das beginnt schon im Foyer des HBK-Hauptgebäudes mit Pascal Elsens wunderbar hintergründiger Arbeit: Der Designer nutzt Schriften als Symbol für die Uniformität der Gesellschaft und stellt die Frage nach Individualität und gesellschaftlichen Normen. Warum verstecken wir uns so gerne hinter Masken, wenn wir Regeln überschreiten? Und sind diese Regeln wirklich immer sinnvoll und unveränderbar? Elsen hat in einer anonymen Umfrage nach geheimen Wünschen jenseits gesellschaftlicher Erwartungen geforscht und diese auf 18 Tische gedruckt. Die sind chiffriert und müssen vom Betrachter interaktiv entschlüsselt werden, in dem dieser grafische Masken verschieben muss, um aus den unlesbaren Zeichen, Pixeln und Schraffuren Schrift entstehen zu lassen.

Auch das klassische Kommunikations-Design hat seinen Platz. Im Keller betritt man einen Gang, dessen Wände bekritzelt wurden. Das aufgezeichnete Brainstorming dokumentiert die Entstehung von Katharina Hallers Arbeit: In einer Kabine kann man per Zufallsgenerator zwei Werbefilme starten. Die Spots der Kommunikationsdesignerin sprühen vor Witz und Ideenreichtum und schlagen so manchen lahmen Werbefilm der professionellen Agenturen.

Dorothee de Coster hat Media Art & Design studiert und nennt ihre Arbeit „Geschichtenerzählen 3.0“. Auch ihr gelingt die Verschmelzung von Kunst und Design perfekt. Sie entwickelte für das Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ ein mediales Erzählkonzept für den Tablet-PC. Der Vorleser kann dabei die Geschichte interaktiv steuern, lesen, Animationen starten und sogar selbst Geräusche hinzufügen.

Bei so viel künstlerischem Talent der Designer haben es die freien Künstler schwer. In der HBK-Galerie zeigt Anna Jochum mit „Körper–Linie“ eine spannende Arbeit aus sieben Tafeln. Im Mittelpunkt steht der menschliche Körper, dessen Formen Jochum auf ein Minimum reduziert hat. So sind diese nicht mehr als Teil des menschlichen Körpers identifizierbar, sondern werden als schwarze und weiße Farbflächen wahrgenommen, die hin und her wogen, gespiegelt, weitergereicht und zurückgeworfen werden.

Auch in der Galerie trumpfen die Designer auf. Martha Beyer hat mit ihrem „offenen Buch“ eine wunderbare Grafik-Arbeit geschaffen, in dem sie in der Stadt Gespräche aufschnappte und diese Kommunikationsfetzen vom Verbalen ins Visuelle transferierte. Der besondere Schnitt und die Faltung der Seiten, durch die man sowohl wie in einem Buch blättern als auch alle Seiten als Fläche im Gesamten betrachten kann, ist eine pfiffige Idee.

Produktdesigner Kim Clayton Weiler wollte nicht nur einfach schön anzuschauende Beistelltische erschaffen, sondern fordert uns mit den Werken auf, in der akustischen Reizüberflutung unserer Zeit wieder genauer hinzuhören. Dreht man die Tischplatte über dem massiven Standfuß, kann man die Geräusche des sich reibenden Materials wahrnehmen. Geräusche entstehen auch, wenn man etwas abstellt oder mit der Hand darüberstreicht. Die entstehenden Klänge sind gewollte Funktion und Mehrwert.