Das Museum Küppersmühle (MKM) präsentiert bis zum 28. Januar 2007 die bislang umfassendste Werkschau des Bildhauers Stephan Balkenhol in Deutschland. Zur Sammlung des Hauses gehören so bedeutende Werke von Stephan Balkenhol wie die Arbeiten „Hexagon“ und „Fries“ von 1988, die anlässlich der Ausstellung erstmalig seit dem Entstehungsjahr wieder vollständig gezeigt werden.

Stephan Balkenhol (*1957), der an der Karlsruher Kunstakademie Bildhauerei lehrt, lotet in immer neuen Facetten die ästhetischen und inhaltlichen Möglichkeiten zeitgenössischer darstellender Skulptur aus. Was kann Skulptur heute leisten, ohne eindimensionale Deutungen vorzugeben? Hauptanliegen ist die Darstellung des Menschen, wenngleich auch immer wieder Tiere und Architekturen als Vorbilder dienen. Der Künstler schafft bestimmte Grundtypen – Männer und Frauen in neutraler Kleidung -, die in vielfältigen, immer neuen Variationen auftreten. Seine Skulpturen scheinen unserer Realität zu entstammen, wir können ihre Kleidung oder ihre Haltung eindeutig benennen. Und doch bleiben diese Figuren, die keine Emotionen zur Schau stellen, seltsam verrätselt, anonym und fiktiv. Sie bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen Wiedererkennen und Zweifel, zwischen Nähe und Ferne – und gerade das macht sie so faszinierend für den Betrachter.

Balkenhols wichtigstes Arbeitsmaterial ist Holz, das abschließend farbig gefasst wird. Holzblöcke fungieren zugleich als Sockel der Figuren, im Holz sind die Spuren des Arbeitsprozesses zu erkennen. Der Baum ist und bleibt erkennbar, das Material ist Teil der Inszenierung. Wuchtig, roh und ruppig sind die Arbeitsschritte im Holz verewigt. Trotzdem wirken die Figuren zart, beinahe filligran.

Es ist Stephan Balkenhol gelungen, die figürlichen Plastik mit neuem Leben zu füllen, und dies auf eindrucksvolle und unprätentiöse Weise zugleich. Seine Skulpturen sind Bildnisse aber keine wirklichen Abbilder, sie sind monumental aber keine Monumente, sie verharren in ruhiger Zurückhaltung und fallen doch auf. Entscheidend ist, dass die Skulpturen weder pathetisch noch narrativ besetzt sind. Man kann dieses Konzept als „Gegenimpuls zu intellektualistisch-ironischen Entwürfen“ (Andreas Franzke)verstehen.

Die dargestellten Menschen, Tiere und Bauwerke stehen zumeist für sich selbst und nicht für eine verborgene Begebenheit, die erzählt werden will. Sie sind maßstäblich verkleinert oder vergrößert und ihre Kleidung, ihr Ausdruck, häufig auch die Gesten sind ruhig und neutral. Attribute verwirren mehr, als dass sie Klarheit bringen – ein „Mann mit Fliegenpilz“ ist eben ein Mann mit Fliegenpilz. Ob der Betrachter vielleicht mehr ihn ihm sieht, lässt die Figur bewusst offen.

Zugleich sind Stephan Balkenhols Skulpturen tief in der Kunstgeschichte verwurzelt. Dabei können formale Fragestellungen ebenso die Basis einer Figur sein wie die Auseinandersetzung mit skulpturalen Traditionen oder berühmten Vorgängern. Die Ausstellung offenbart sowohl die handwerkliche Meisterschaft des Künstlers als auch seine geistes- und kulturgeschichtlichen Bezugnahmen. Sie präsentiert das umfangreiche Schaffen des Künstlers anhand von Skulpturen und Reliefs sowie begleitenden Zeichnungen und Siebdrucken, von den 80er Jahren bis in die aktuelle Gegenwart. Jüngstes Werk ist die 4,60 Meter große, eigens für die Ausstellung geschaffene Ikarus-Bronze.

Die von Matthias Winzen kuratierte Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden. Sie war in erster Station in der Kunsthalle Baden-Baden zu sehen und wird abschließend im Salzburger Museum der Moderne gezeigt. Aufgrund der besonderen Räumlichkeiten des MKM hat die Duisburger Präsentation den größten Umfang. Sehtipp!