Der Arzt und Naturforscher Sir Hans Sloane war ein manischer Sammler. Er hatte im Laufe seines Lebens eine ansehnliche Sammlung naturwissenschaftlicher und kultureller Objekte zusammengetragen und dem Vereinigten Königreich vermacht. Das englische Parlament beschloss daraufhin im Jahr 1753, ein Nationalmuseum zu gründen, um die Stücke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Man wollte aber mehr, das neue „British Museum“ sollte das Wissen der Welt zu sammeln und zugänglich zu machen. In den Jahrhunderten nach der Gründung sandte man Archäologen und Naturforscher in alle Welt aus. Die Gelehrten schlugen sich durch den Dschungel zu den Tempeln der Inka und der Maya, grub in der Türkei und Griechenland nach antiken Stätten, suchten Pharaonengräber und erwarben in Asien Kunstschätze. Nicht immer ging es dabei ganz legal zu, wie etwa bei den Akropolisfriesen, die Lord Elgin außer Landes schmuggelte. Viele Staaten fordern inzwischen Schätze aus dem Museum zurück. Doch dazu schweigt die Ausstellung leider.

Ausstellungsansicht Foto: David Ertl

Ausstellungsansicht
Foto: David Ertl

© Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Aus den bescheidenen Anfängen wurde bis heute eine der größten Sammlungen der Welt. Über sieben Millionen Objekte aus allen Epochen von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die aktuelle Zeit beherbergt das Haus heute. Aus dieser immensen Auswahl durfte sich die Bundeskunsthalle in Bonn nun 250 Exponate aussuchen und präsentiert sie auf 2000 Quadratmetern. Unterteilt nach Kontinenten zeigt die Ausstellung einen repräsentativen Querschnitt der Kunstschätze. Man hat in den großen Saal der Bundeskunsthalle einen Baukörper eingezogen und präsentiert dort in sechs Kabinetten die klassischen Abteilungen des British Museums: Afrika, der Mittlere und Nahe Osten, Asien, Amerika, Europa und Ozeanien. Jede Abteilung ist von außen zugänglich und hat eine Verbindung zu dem zentralen zartblau-leuchtenden Innenhof. Man kann im Grunde beginnen wo man möchte, auch wenn es sich empfiehlt, in Afrika zu starten, wo einst die Wiege der Menschheit stand. Dort findet sich auch der größte Schatz, der hier gezeigt wird. Es ist ein unscheinbares, zwei Millionen Jahre altes Steinwerkzeug aus Tansania. Nur bei genauem Hinsehen erkennt man, dass eine Seite abgeflacht wurde und Menschen hier frühe Spuren hinterließen. Weiter geht es über ägyptische Preziosen wie Mumien und Sarkophage, die einst den Ruhm des Museums begründeten. In der Nahost-Abteilung findet sich ein Brief in Keilschrift auf einer Steintafel. Ein Amurru-Herrscher beklagt sich darin bei dem Pharao über einen ägyptischen Gesandten, der ein Goldgeschenk mitgehen ließ. Man kann nur erahnen, wie mühsam der Schriftverkehr zu jener Zeit war.

In den nächsten Kabinetten kann man Kunst aus Afrika bestaunen, antike Statuen aus Griechenland, eine frühe Banknote aus der Ming-Dynastie, Kunsthandwerk aus Japan, einen steinernen Maya-Gott und eine Goldmaske aus Kolumbien, Buddha-Statuen aus Südostasien und Schachfiguren aus Walrossbein aus dem mittelalterlichen Europa. So breitet die Bundeskunsthalle einen bunten Flickenteppich an kulturellen Hinterlassenschaften aus aller Welt vor uns aus. Leider gibt es keinen roten Faden und das alles wirkt manchmal arg beliebig zusammengewürfelt, aber es ist schließlich keine thematische Ausstellung, sondern eine, die das British Museum feiern will. So verrät die Ausstellung eher etwas über den Menschen in Allgemeinen, über seinen Drang, die Welt zu begreifen, zu verstehen und zu gestalten. Man kann zwei Millionen Jahre Menschheitsgeschichte nicht in 250 Exponaten abhandeln, das will die Ausstellung aber auch nicht und so wirkt es ein wenig wie ein Werbespektakel für das englische Museum. Nötig hat das British Museum diese Werbemaßnahmen allerdings nicht, mit 6 Millionen Besuchern pro Jahr gehört es zu den meistfrequentierten der Welt. Die Bundeskunsthalle kann da mit nur 600.000 Besuchern nicht ganz mithalten.