Viel Glück hatte die Bundeskunsthalle in Bonn in den letzten Jahren mit ihrem Führungspersonal nicht gerade. Intendant Wenzel Jacob war recht erfolgreich, stolperte aber 2006 über Ungereimtheiten in seiner Buchführung und Spesenabrechnung. Christoph Vitali sprang als Interimsintendant ein, doch er blieb zu kurz, um wirklich Akzente setzen zu können. Im Januar 2008 konnten die Verantwortlichen aufatmen. Von den Deichtorhallen kam der Österreicher Robert Fleck. Nun sollte alles besser werden. Doch die Kritik blieb, vor allem wegen der wenigen qualitativ hochwertigen Ausstellungen im Programm.

Im letzten Jahr dann der Eklat. Man warf Fleck vor, in einer Anselm Kiefer-Retrospektive nur Werke aus der Sammlung Grothe berücksichtigt zu haben und den Werken damit zu einer unstatthaften Aufwertung verholfen zu haben. Nach heftigem Streit zwischen Fleck und dem Programmbeirat der Bundeskunsthalle entschied man sich, den Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen nicht mehr zu verlängern, doch Fleck hatte die Faxen dicke und ging schon im Oktober 2012 vorzeitig. Er will zukünftig als freier Kurator und Publizist arbeiten und sich stärker seiner Professur in Düsseldorf widmen. Nun ist das KAH-Schiff führungslos und der Staatsminister für Kultur und Medien Bernd Neumann muss sich auf die Suche nach einem Neuen oder einer Neuen machen.

Doch das ist gar nicht so einfach, denn für den Posten kommen nur wenige in Frage und die dürften keine große Lust verspüren. Der Posten des künstlerischen Leiters ist lediglich mit B5 besoldet, also knapp unter 8000 Euro – nicht eben viel, wenn man das mit Museen ähnlicher Größe im In- und Ausland vergleicht. Die Betreuung einer umfangreichen Sammlung entfällt, denn die besitzt die Kunsthalle nicht. Einzig der zur Verfügung stehende Haushalt ist ein Lichtblick, der Intendant kann mit knapp 16 Millionen Euro Bundesmitteln und rund 4 Millionen Euro Einnahmen aus dem vollen Schöpfen.

Nun also hat man in Bonn eine Findungskommission eingesetzt, die sich auf die Suche machen soll und sofort ist ein Name in aller Munde, den man immer hört, wenn es um einen wichtigen Museumsposten im deutschsprachigen Raum geht: Max Hollein. Doch der erfolgreiche Direktor des Frankfurter Städels wird kaum so dumm sein, einen der schönsten Museumsposten in der deutschen Museenlandschaft aufzugeben für die Leitung der Bundeskunsthalle, da müsste man ihm schon einiges bieten. Ohnehin sitzt er mit Udo Kittelmann und Klaus Schrenk in eben jener Findungskommission. Stephan Berg, dem Leiter des Kunstmuseums Bonn werden Ambitionen nachgesagt. Berg sitzt im Programmbeirat der Bundeskunsthalle und hatte heftig gegen Fleck geschossen, dahinter aber eigene Interessen zu vermuten, geht ein bisschen weit. Außerdem bevorzugt man wohl einen Kunsthistoriker und das ist Berg nicht. Hinter vorgehaltener Hand wird auch der Name von Bernard Blistène vom Centre Pompidou genannt, doch es soll wohl eine deutsche Lösung werden, da ist Blistène aus dem Rennen. Auch der Name Walter Smerling ist häufiger zu hören, doch ob das eine gute Wahl wäre, darf bezweifelt werden. Smerling ist zwar Deutscher und Kunsthistoriker und erfüllt damit zwei Voraussetzungen, der umtriebige Kulturmanager hat allerdings keinen tadellosen Ruf mehr, da er Kurator eben jener Kiefer-Ausstellung war, über die Fleck stolperte. Kritiker bemängeln auch das Machtgeflecht um Smerling, der Vorsitzender der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur e.V. ist, die das MKM Museum Küppersmühle in Duisburg betreibt, deren Leiter Smerling wiederum ist.

Mein Vorschlag: Wie wäre es mit Marion Ackermann, der Leiterin der Kunstsammlung NRW? Ackermmann ist Kunsthistorikerin, sie ist klug, agiert geschickt und erfolgreich und die Kunsthalle hätte endlich mal eine Frau an der Spitze.

Dass die Wahl nicht ganz einfach wird, zeigt der Zeitplan. Eigentlich wollte man zum Jahresende 2012 eine Personallösung präsentieren, doch die Verkündung lässt auf sich warten.