Der Ausstellungstitel „R-05.Q-IP.0001“ klingt ein wenig sperrig und auch die Ausstellung ist es, wenn man nicht die angebotene zehnminütige Führung der netten Dame von der Kunstvermittlung des Casino Luxembourg in Anspruch nimmt: leere Museumsvitrinen, fiktive Ausstellungsplakate und Karteikastenschränke, deren unzählige Schubladen sich nicht öffnen lassen.
Der Belgier Wesley Meuris darf mit seiner ersten monografischen Ausstellung das ganze Haus bespielen. Schon den Eingangsbereich hat er komplett umgestaltet und einen schicken weitläufigen Empfangsbereich mit einem nüchtern-eleganten Empfangstresen und Bildschirmen aufgebaut. Doch dort wo normalerweise Besucher an die Ausstellung herangeführt werden, fehlt jegliche Information. Die Glaskästen des Tresens sind leer, auf den Bildschirmen flimmern kryptische Kürzel.
Der Installationskünstler hat sich ganz dem Thema „Ausstellungsraum“ verschrieben und untersucht mit fast schon wissenschaftlich anmutender Präzision Sinn und Zweck unserer Museen. Wir stellen wir uns das perfekte Museum vor, welche Anforderungen stellt das Publikum an eine Ausstellung und welche Rolle spielen dabei Künstler und Kurator? Vom Ausstellungsplakat und der Eintrittskarte über die Museumsarchitektur und die Präsentation der Kunstwerke bis zur Archivierung spielt Meuris dies durch. Auf kluge und humorvolle Weise hinterfragt Meuris die Regeln und Standards moderner Ausstellungen. Die Kunst alleine scheint oft nicht mehr zu reichen, man braucht aufwendige Präsentationssysteme mit ausgetüftelter Beleuchtung, die Besucher wollen bespaßt werden mit Shop und Restaurant, die Werbung darf mit Superlativen nicht geizen. Meuris nutzt dieses inzwischen weit verbreitete System des Ausstellungsspektakels, um einen pseudowissenschaftlichen und vermeintlich universellen Diskurs über Museen entstehen zu lassen. Meuris will die herrschende Ausstellungspolitik unserer Gesellschaft nicht kritisieren, ihm geht es darum, unseren durch die Mechanismen der Präsentation konditionierten Blick umzulenken und uns zum Hinterfragen anzuregen. Wollen und brauchen wir wirklich einen derart aufgeblasenen Kunstzirkus oder sollten wir unseren Blick nicht wieder mehr auf das Gezeigte fokussieren? Um dies zu erreichen, greift Meuris zu einem Trick: Er hat die Exponate aus den Vitrinen entfernt und präsentiert die Ausstellungsmöbel wie Skulpturen.
Des Künstlers zweites großes Thema sind Ordnungssysteme. Wie besessen versucht Meuris zu systematisieren und zu kategorisieren. Schon der eigenen Ausstellung verpasst Meuris einen dreiteiligen Code aus Zahlen und Buchstaben, dabei geht es nicht um reine Identifikation, sondern um Inhalt. Der Code beinhaltet Thema, Ort und Zielpublikum der Ausstellung. Aber Meuris geht noch weiter. Er hat mit seinen dreiteiligen Codes ein System geschaffen, um die wichtigsten Künstler der Welt zu ordnen. Der erste Teil des Codes gibt das Medium an, der zweite das Thema und der dritte den Geisteszustand. Einen ganzen Raum hat er dafür mit Karteikästen gefüllt. Man darf rätseln, welcher Künstler in welcher Schublade passt, um dann festzustellen, dass die Schubladen sich nicht öffnen lassen und die versprochenen Daten dem Zugriff entzogen sind. Mit Erschrecken stellt man fest, wie schnell man sich das System aneignet und Künstler in Schubladen steckt. Genau das wollte Meuris wohl erreichen.

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