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Quelle: 25 Peaces, © Tanja Ostojic

Österreich liebt den Skandal. Seit Klimts, Schieles und Kokoschkas Nackten berauscht sich das Alpenland gelegentlich am künstlerischen Eklat, zuletzt an Gelitins sich selbst in den Mund urinierendem Plastillin-Riesen („Arc de Trioumphe“), der 2003 vor dem Rupertinum in Salzburg für Aufsehen sorgte. Jetzt wird das Land wieder von zwei äußerst schockierenden Bildern aufgerüttelt. Zur österreichischen EU-Ratspräsidentschaft subventionierte die EU ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum zum Thema „Frieden und Freiheit“. Im Rahmen von 25 Peaces gab es auch eine Plakataktion mit Rollings Boards. Auf 400 dieser Werbetafeln stellten 25 Künstler aus der EU ihre Positionen zur historischen, sozialen und politischen Entwicklung der Union dar. Zwei der Plakate zeigen eine angedeutete Gruppensexszene zwischen Jaques Chirac, George Bush und Queen Elizabeth II., sowie ein mit einem EU-Slip verhüllter weiblicher Unterkörper, der stark an Gustaves Courbets „Ursprung der Welt“ (1866) erinnert.

Nun kann man sicher darüber streiten, ob diese Rolling Boards, die im 10-Sekunden-Takt die Ansicht wechseln, für solche eine Aktion geeginet sind, die eigentlich zum Nachdenken anregen soll. Oder ob das Motiv klug gewählt ist, denn den meisten österreichischen Autofahrern dürfte die Assoziation zu Courbets Bild eher schwer fallen, denn wahrscheinlich kennen nur wenige das Bild. Aber nicht dies wurde Thema der öffentlichen Auseinandersetzung. Ausgerechnet Österreichs Boulevardblatt „Kronen Zeitung“ mit dem täglichen Nackedei auf Seite 1 kreischte hysterisch „Pornografie!“, Moralapostel und Bedenkenträger formierten sich und Politiker jeder Couleur gingen in Deckung. Leider. Und auch die Organisatoren des Kunsthappenings beugten sich dem Druck. Carlos Aires, Schöpfer der Gruppensexszene zog sich zurück und auch Tanja Ostojics EU-Slip-Plakat wurde entfernt. Die in Berlin lebende Künstlerin witterte zurecht Zensur und ist verärgert. Und die Kronen Zeitung darf sich als Held öffentlicher Moral feiern lassen und weiter nackte Damen in verführerischen Posen ablichten. Dafür gebührt ihr unser Dank. Was würde nur aus Österreich ohne die Kronenzeitung? Ein moralischer Sumpf, Sodom und Gomorrah!

Mehr Informationen auf den Webseiten von Tanja Ostojic (mit ausführlicher Dokumentation): www.kultur.at/howl/tanja