Estnisches Kunstmuseum

Foto: © Kaido Haagen, Estnisches Kunstmuseum, Tallinn

Nun hat auch das letzte europäische Land sein eigenes nationales Kunstmuseum. Ende Februar 2006 eröffnete in Tallinn das estnische Kunstmuseum seine Pforten. Die Ausstellung ist ein Spiegel der politischen Geschichte des Landes und zeigt deutlich: Die Moderne im Estland der Sowjetzeit ist eine andere gewesen als die europäische Moderne.

Den Wettberwerb um den Bau des Museums hatte ein junger Finne gewonnen: Pekka Vapaavuori heißt der Mann und das estnische Kunstmuseum war sein erstes größeres Projekt. Der Bau ist ein Schmuckstück geworden. Leicht geschwungen erstreckt er sich einen Hügelkamm entlang. Die Außenhaut aus Beton, grünlich patiniertem Kupferblech und mattem Glas spiegelt das neue Selbstbewußtsein der jungen Nation.

Für die Kunst selbst sind 5000 Quadratmeter Ausstellungsfläche reserviert. Sirje Helme, die Museumsdirektorin, konnte aus über 55.000 Stücken wählen. Bilder, Drucke, Plastiken, die bisher in diversen kleineren Museen und Depots rund um Tallinn verstreut waren und den Fundus des Museums bilden. Die Ausstellung beginnt mit dem 18. Jahrhundert und geht bis 1990. Das Museum folgt nicht der klassischen Einstufung (Klassische Moderne, Nachkriegsmoderne, Avantgarde und zeitgenössische Kunst ab den 60er Jahren), denn die estnische, zeitgenössische Kunst beginnt ja eigentlich erst mit den 90ern. Die Ausstellung des Museums ist zweigeteilt in Vor- und Nachkriegszeit. Diese Teilung ist durchaus sinnvoll und spiegelt die wechselvolle Geschichte des Landes. Der Einschnitt, den der Beginn der Sowjetzeit bedeutete, erfasste alle Lebensbereiche tief, auch die Kunst.

Deutlich wird beim Rundgang durch den Vorkriegsabschnitt, wie eng sich Estlands Künstler damals an den großen europäischen Strömungen orientierten. Mit dem Beginn der sowjetischen Zeitändert sich dies: Monumentale Stalin-Darstellungen und sozialistischer Realismus rücken in den Mittelpunkt. Aber auch das andere wird sichtbar. Die Ausstellungsmacher hängen neben die typischen Bilder jener Zeit die mutigeren, unangepassten, bisweilen subversiven Arbeiten estnischer Künstler, die damals auch entstanden sind. Und damit künftig auch die noch junge Gegenwartskunst des Landes einen Platz hat, widmet sich ein ganzer Trakt im Gebäude aktuellen Arbeiten in Wechselausstellungen.

Das KUMU im Internet: www.ekm.ee